Egregantius

Tag: Wissen

Perhorreszierende Perzeptionen (IX)

[1] Was unversehens vor sich geht, ist immer sehenswert.

[2] Wenn ein Philosoph sich nicht verwirren lässt, irrt er sich wahrscheinlich sehr.

[3] Krämerseelen halten nur Ausschau nach den Dingen, die ihnen in den altbewährten Kram passen.

[4] Philosophie ist kein Fach, das studiert oder gelehrt werden kann, sondern ein erklärungsbedürftiges Fragen im Lebensvollzug.

[5] Was sattsam bekannt ist, sättigt niemanden.

[6] Vor und nach dem Vergessen Anamnesis in ihrer Tragweite ermessen!

[7] Eine Meinung, die nicht wohlfeil ist, ist immer billig zu haben.

[8] Wir sind so weit gekommen, dass wir gar nicht mehr nachvollziehen können, wo wir eigentlich herkommen.

[9] Die Totengräber dürften nur Spott für begrabene Hoffnungen übrig haben.

[10] Wer etwas zu bieten hat, wird sich nichts verbieten lassen.

Perhorreszierende Perzeptionen (VII)

[1] Was sich für andere längst erübrigt hat, bleibt für den Philosophen oft ein Übriges, zu Betrachtendes.

[2] Weil die gut Informierten alles längst durchschaut haben wollen, stellt kaum mehr jemand wagemutige Mutmaßungen an.

[3] Wer Wesentliches aus sich hervorscheinen lassen will, hat vor sich zurückzutreten, um das Prächtige in aller Ruhe auf sich einwirken lassen zu können.

[4] Was der Philosoph neu denkt, wollen sich alle immer längst gedacht haben. Dass sie sich nichts dazu denken konnten, ist dann allerdings sehr zu bedauern.

[5] Wenn Realsatire Dauerzustand wird, kann sich gute (irritierend-amüsante) Satire eigentlich nur noch auf die wahrheitsgetreue Abbildung der Wirklichkeit verlegen und wird dadurch geradezu journalistisch.

[6] Was nicht gehen kann, wird rasend gemacht.

[7] Wer sich von seinem Eigenwissen durchdringen lässt, wird bereits auf seine Weise gebildet sein, wenn er dem inhärenten Wissen nur die nötige Zeit gibt, sich in ihm und durch ihn zu konkretisieren.

[8] Jeder moderne Autor muss schlicht und ergreifend die Tatsache anerkennen, dass man auf ihn gut und gerne verzichten könnte. Denn man wird in der Weltgeschichte keinen einzigen Autor vermissen, der nie gekannt wurde, der vielleicht sogar aus guten Gründen nie gekannt sein wollte.

[9] Wer einer Dummheit, die er leidenschaftlich anprangert, nie auf den Grund gegangen ist, ist sogar noch dümmer als die Dummen, die vielleicht nur aus Naivität unwissend oder aber dummdreist sind und sich dann eben nur aus Kalkül in ihrer ganzen Dummheit sehen lassen wollen, um in ihrer natürlichen Stumpfsinnigkeit so geliebt werden zu können, wie sie eben gerne sind.

[10] Was die einen so vermeinen, haben andere zu vermögen.

Garantierte Expektorationen (XXVI)

[1] Wer schreibt, was er denkt, wird oft geringgeschätzt, weil die meisten Menschen nur das lesen wollen, was alle zu denken haben.

[2] Es gibt wohl nichts Praktischeres, als eine gute Verschwörungstheorie!

[3] Wertmaßstäbe können auch Entsetzen auslösen.

[4] Philosophen haben leider immer nur unsterbliche Ideen anzubieten, die kaum jemand auch nur eines Blickes würdigen will, weil jeder weiß, dass sie sich nur unter Wert verkaufen lassen, in ökonomischer Hinsicht also wertlos sind.

[5] Wer denkt denn schon noch einfach so vor sich hin?

[6] Denkerleben lässt sich nicht in Sätzen festmachen.

[7] Viele glauben, nur das Alte zu sehen und werden darum dummerweise neugierig.

[8] Es wird fast immer nur auf das Wissen Wert gelegt, das man wissen soll.
Was man wirklich weiß, findet kaum jemals Anerkennung.

[9] Da sie nicht wissen, wie sie ihr Leben zubringen sollen, konsumieren sie, stopfen sich also solange mit Wohlstandsmüll voll, bis sie endlich keine Ahnung mehr von sich haben.

[10] Solange du Gehaltvolles von dir gibst, werden die meisten dich für einen unverbesserlichen Langweiler halten und ihr Vergnügen lieber anderswo suchen.

Garantierte Expektorationen (XIII)

[1] Nur was mir zugehörig bleibt, wird mich auch grundlegend fassbar machen.

[2] Philosophische Sätze stellen offene Wunden dar.

[3] Um frei tun zu können, was wir wollen, sollten wir Abstand von der Freiheit nehmen.

[4] Ich müsste mich selbst überwuchern, wollte ich die Eigentümlichkeit meines Wesens nachvollziehen.

[5] Man lebt, wie ein jeder Mensch leben muss, kann dabei allerdings über Dinge nachdenken, die den Wenigsten einfach so in den Sinn kommen würden.

[6] Seitdem er weiß, wie wenig er doch wissen kann, ist er von seinem neuen Wissen ganz hin- und weggerissen!

[7] Ich will mich nicht beschweren und wäre aber auch ungern erleichtert, denn nur so kommt etwas zum Tragen, was mir eigen ist und von mir auch weitergegeben werden kann.

[8] Die meisten wollen sich nicht berücken lassen, sondern nur verzückt sein.

[9] Wenn nicht alles schiefgeht, werde ich es zu Nichts ja wohl noch bringen können!

[10] Da augenscheinlich jeder Philosoph sein kann, stellt es noch lange keine Leistung dar, Philosoph zu sein.

Garantierte Expektorationen (X)

[1] Das Wissen um meine Unfertigkeit erfüllt mich ganz.

[2] Wer mich überhaupt nur verstehen will, wird etwas Wesentliches bereits verstanden haben, ohne mich wirklich verstehen zu müssen.

[3] Alles geht seinen gewohnten Gang, so lange, bis er noch natürlich scheint, obwohl er längst nicht mehr natürlich ist. (siehe Tweet von 2.3.2014)

[4] Was man in einem anderen Menschen zu sehen glaubt, verklärt sich oftmals ganz von selbst.

[5] Aus mir löst sich immer Nichts in Etwas auf. Was hierbei zustande kommt, wird sich zu einem gelegeneren Zeitpunkt wieder auflösen lassen.

[6] Was festgestellt wurde, wird selten zur Aufbereitung bewahrt, sondern lieber gleich eingebracht, also pulverisiert.

[7] Opportunismus ist Kapitulation vor einer Möglichkeit der Satisfaktion durch Eigentümlichkeit.

[8] Wenn jemand mit der eigenen Selbstzufriedenheit hausieren geht, dann rückt er gut und gerne mit seinem „Content“ heraus.

[9] Man will es dem Geistesaristokraten doch nicht etwa zum Vorwurf machen, dass sich dieser nur mit wenigen sorgsam Auserlesenen überhaupt umgeben kann?

[10] Was sich so alles aus einem Text herauslesen lässt, gibt dem präformierten Leser auch noch den Rest.

Garantierte Expektorationen (IX)

[1] Das Unvordenkliche ist nicht auszudenken.

[2] Selbst wenn mich niemand fragt, bin ich niemals unterfragt.

[3] Was mich eigentlich interessieren sollte, will ich gar nicht erst einsehen.

[4] Der Tod ist mir sicher, auch wenn ich meine Unsicherheiten nicht ablegen kann. Denn er zeigt immer klare Kante.

[5] Dass ich nicht glauben kann, was in meinen Augen nicht wissbar ist, muss mich doch letzten Endes ungemein erleichtern!

[6] Man muss sich die unverrückbaren Feststellungen der Wissenschaft erst einmal etwas genauer ansehen, um sie dann als Steine des Anstoßes ins Rollen bringen zu können.

[7] Der „Sinn des Lebens“ macht vor allem dann keinen Sinn, wenn ein Mensch von sich behauptet, ihn zu kennen.

[8] Ein Philosoph stellt sich gar nicht die Frage, ob er in den Augen anderer ein „Philosoph“ ist. Er ist einfach aus sich heraus Philosoph, weil er gar nicht anders sein könnte.

[9] Selbstverloren ist der Schwätzer.

[10] Wenn du den „Ernst des Lebens“ zum ersten Mal ernst nimmst, wird es um dich geschehen sein. Wer selbst zum Ereignis seines Lebens wird, hat hingegen die Chance, aus sich selbst zu erwachsen, was eine andere, natürlichere Weise des Erwachsen-werdens darstellt. (Blogkommentar)

Garantierte Expektorationen (I)

[1] Alles was lebt, hat auch schon den besten Ausgangszustand für das zuvorkommende Sterben erreicht. (siehe Tweet vom 16.1.2014)

[2] Das vorausgreifende Wagnis der begründeten Begriffsbildung ist für eigenständiges Denken unerlässlich. (Tweet vom 30.12.2013)

[3] Wir begegnen dem Wissen im alltäglichen Umgang, aber um die Umgangsformen mit dem Wissen bekümmern wir uns nicht allzu oft.

[4] Manche wollen sich nur gehen lassen, um sich am Ende bestätigt zu finden.

[5] Ich verstehe was, was du nicht verstehst und das ist mein Verständnis.

[6] Die Wenigsten nehmen sich überhaupt noch zusammen, wenn sie sich verausgaben wollen.

[7] Die Dinge können nur das wiedergeben, was wir ihnen über sie zu sagen haben.

[8] Es sind immer noch viel zu viele Wahrheiten im Umlauf, die sich erst noch bewahrheiten müssten.

[9] Manche bleiben uneinsichtig, weil sie zu gute Aussichten haben.

[10] Wenn es mir nicht um mich gegangen wäre, hätte ich wesentlich mehr aus mir machen können.