Egregantius

Tag: Sinn des Lebens

Perhorreszierende Perzeptionen (XIII)

[1] Verkrafte, wer du bist!

[2] Wer auf der Suche nach den verlorenen Worten ist, wird sie in keinem Buch dieser Welt finden können. Wenn er es am wenigsten erwartet, werden sie allerdings in aller Ausdrücklichkeit vorzufinden sein.

[3] Die meisten Schriftsteller werden nur deswegen nicht vergessen, weil sie nie gekannt wurden.

[4] Sinnbezüge machen erschreckenderweise auch ohne einen Sinn des Lebens Sinn.

[5] Was uns beliebt, belebt uns das auch?

[6] Die Chance des Menschen liegt in seiner unverwertbaren Nutzlosigkeit.

[7] Wer übt, kann auch etwas verüben.

[8] Das Beste und das Schlechteste, was man über einen Menschen sagen kann: Er war nur ein Mensch.

[9] Was Philosophen aus guten Gründen verwerfen, wird ihnen grundlos wieder vorgeworfen werden.

[10] Manchmal gibt ein Miststück den Takt des Tages vor.

Garantierte Expektorationen (IX)

[1] Das Unvordenkliche ist nicht auszudenken.

[2] Selbst wenn mich niemand fragt, bin ich niemals unterfragt.

[3] Was mich eigentlich interessieren sollte, will ich gar nicht erst einsehen.

[4] Der Tod ist mir sicher, auch wenn ich meine Unsicherheiten nicht ablegen kann. Denn er zeigt immer klare Kante.

[5] Dass ich nicht glauben kann, was in meinen Augen nicht wissbar ist, muss mich doch letzten Endes ungemein erleichtern!

[6] Man muss sich die unverrückbaren Feststellungen der Wissenschaft erst einmal etwas genauer ansehen, um sie dann als Steine des Anstoßes ins Rollen bringen zu können.

[7] Der „Sinn des Lebens“ macht vor allem dann keinen Sinn, wenn ein Mensch von sich behauptet, ihn zu kennen.

[8] Ein Philosoph stellt sich gar nicht die Frage, ob er in den Augen anderer ein „Philosoph“ ist. Er ist einfach aus sich heraus Philosoph, weil er gar nicht anders sein könnte.

[9] Selbstverloren ist der Schwätzer.

[10] Wenn du den „Ernst des Lebens“ zum ersten Mal ernst nimmst, wird es um dich geschehen sein. Wer selbst zum Ereignis seines Lebens wird, hat hingegen die Chance, aus sich selbst zu erwachsen, was eine andere, natürlichere Weise des Erwachsen-werdens darstellt. (Blogkommentar)

Urheberrechte und metaphysische Urgründe

Urheberrechte? Ein tückisches Wort! Wenn ein Urheber etwas aus dem Ursprung hebt, muß alles immer schon dagewesen sein.

© Aba Assa, (*1974), Essayistin

Ein bedenkenswertes Wort, das im Übrigen auch von Martin Heidegger stammen könnte. Tatsächlich empfinden wir es im tiefsten Grunde unseres Seins als lächerlich, wenn jemand auf seinem „Urheberrecht“ beharrt. „Ja, das hätte auch mir einfallen können!“, so melden sich die meisten, die man auf ein treffendes und doch leicht verständliches Zitat aufmerksam macht, zu Wort. Aber ist es denn wirklich so, dass alle vermeintlichen Erhebungen und Erfindungen, die des Nachdenkens wert sind,  im Grunde unseres Seins wurzeln und anwesen? Dass wir also nur unsere Anlagen entwickeln müssen, um irgendwann Ersprießliches zutage zu fördern? Können wir denn a priori mit den Mitteln unseres Verstandes und unserer reinen Vernunft Bahnbrechendes erdenken, das uns die Welt mit einem Schlage erkennen lässt? Immanuel Kant würde hier einhaken: „Nein, das können wir natürlich nicht, werfen Sie doch einmal einen Blick in das Antinomienkapitel meiner Kritik der reinen Vernunft!“ Und wenn sich nun seine Axiome, auf denen die Kritik fußt, logisch zerdenken und zergliedern ließen, wie ja auch schon viele den Versuch unternommen haben? Doch ist es überhaupt zulässig, mit den Mitteln der Vernunft die Vernunft zu untersuchen, wie es ein Kant getan hat? Was wäre denn, wenn man letztendlich vieles einfach beiseite wischen könnte, was sich der alte Kant so streng axiomatisch erdacht und gegengedacht hat? Wenn der Mensch plötzlich wieder frei wäre, die Dinge in der Welt in ihrer Reinheit und Offenheit zu erkennen und zu bestimmen? Angenommen, er könnte in die Unverborgenheit der Urgründe schauen, was hätte er denn eigentlich davon? Wenn er den Sinn vom Sein erkannt hätte, würde er dann überhaupt noch leben wollen? Könnte ein Schopenhauerianer sich dann die Hände reiben? Angenommen, der Mensch würde das Konstrukt von Welt vollständig kennen (sofern sich denn überhaupt von einem Konstrukt sprechen lässt), in das er wie ein mehr oder weniger bedeutungsloser Koordinatenpunkt eingespannt ist, wäre es nicht eine zu große Belastung für ihn? Könnte er diese existenzielle Erfahrung überhaupt aushalten? Sollten wir uns denn nicht vielmehr bemühen in philosophischer Hinsicht etwas zu leisten, was uns hilft, mit unsrer eigenen Endlichkeit fertigzuwerden? Doch wissen die Menschen denn nicht schon längst, dass „sie im Tode mit ihrer gänzlichen Auslöschung zurückgeben, was sie als Seiende gewannen“, um meinen philosophischen Mentor Wilfried Kähler zu zitieren? Wenn man sich in der Welt so umsieht, so hat man doch einen berechtigten Grund, daran zweifeln zu wollen.