Egregantius

Über unsere Freiheit

Auszug aus einer Email an Stefan Dehn:

Seit einiger Zeit treibt mich folgender Tweet gedanklich um:

Unsere Freiheit ist die von Freigängern.

Nach der Ernüchterung, die sich durch diesen aussichtslos scheinenden Satz einstellt, folgt die Erkenntnis, dass es jedem Freigänger zumindest frei steht, sich seine Zelle (mitsamt der Körperzellen) und den geregelten Freigang auf seine Weise zu Nutze zu machen. Während es sich ein unbeugsamer Philosoph seiner leibeigenen Gefangenschaft zu Trotz nicht nehmen lassen wird, in stoischer Manier den offenherzigen Austausch mit Denkfreunden während seines Freigangs in der rundum abgeschirmten, überwachten Säulenhalle zu wagen, trifft ein engstirnig-fanatischer Ideologe für sein eigenes Leben die Entscheidung, lieber mit einer kleinen, abgeschirmten (Terror-)Zelle vorlieb zu nehmen, in der er in seiner verstörend-ungestörten Aussichtslosigkeit noch Sklave seiner gewaltfantastischen Hirngespinste sein darf. Daneben dürfen in der mehrheitsfähigen Parallelgesellschaft nach wie vor diejenigen munter vor sich hinleben und Vorgegebenes konsumieren, die als Freigänger (= wandelndes Sicherheitsrisiko) gerade noch geduldet sind, aber zu ihrer eigenen Sicherheit allesamt schon einmal vorsorglich unter panoptische Aufsicht gestellt wurden.

Perhorreszierende Perzeptionen (I)

[1] Was sich überhaupt sagen lässt, ist nur schwer zu sagen.

[2] Die einen leben ihr Leben, andere führen ein Geistesleben.

[3] Wo kein Wille ist, gibt es nur ein auswegloses Ausharren.

[4] Zuerst kommt das Einsehen von Einsichten. Danach erst wird Einblick gewährt.

[5] Manche geben vor, das Ganze im Blick zu haben. Andere denken sich dazu ihren Teil.

[6] Die evolutionäre Entwicklung hat uns schließlich zu formvollendeten Konsumenten gemacht.

[7] Wer glaubt, was er denkt, glaubt auch nur, dass er denkt.

[8] Neoliberalismus: Alle verbrauchen sich, bis sie restlos aufgebraucht sind und entsorgt werden müssen.

[9] Wer konkrete Probleme hat, wird immer wieder gerne zum eigentlichen Problem erklärt.

[10] Was früher noch perzipiert wurde, wird heute massenweise konsumiert.

Garantierte Expektorationen (XXVIII)

[1] Es sollte wieder mehr grundlos verunsicherte Philosophen geben.

[2] Zu viel des Guten lässt Unvermögende schlecht werden.

[3] Wenn alle gut informiert sind, weiß kaum mehr jemand, was eigentlich los ist.

[4] Das Unmerkliche ist äußerst bemerkenswert.

[5] Zufriedengestellte Philosophen sind vollkommen unbrauchbar.

[6] Unbegründetes unterhöhlt allzu Offensichtliches, um nur den bloßen Anschein zu hinterlassen.

[7] Was die Wenigsten einsehen wollen, hat der Philosoph darzulegen, weil es in seinen Augen zu naheliegend ist.

[8] Denkende verfangen sich vor allen anderen in den Netzen, die sie auswerfen, um Eindrücke von ihren natürlichen Denkräumen zu gewinnen.

[9] Wenn sich das Denken in einem Menschen einmal Bahn gebrochen hat, wird er so schnell keine Ruhe mehr vor sich haben.

[10] Unkultur, die sich nicht mehr verorten lässt, wird allerorten sein.

Garantierte Expektorationen (XXVII)

[1] Ich sehe mich immer wieder dazu gezwungen, meine Freiheit in Anspruch zu nehmen.

[2] Ein Philosoph ist selbst in seiner Isolation gemeinnützig organisiert.

[3] Wer sich selbst entgegenkommt, lebt gefährlich, weil er von sich überrumpelt werden könnte.

[4] Alles war schon einmal da.
Nur das Nichts bleibt, wie es immer war.

[5] Der selbstsichere Philosoph: Das Unding an sich.

[6] Über lesenswerte Bücher muss man erst stolpern, weil sie nicht mehr gelesen werden, oder überhaupt noch von niemandem gelesen wurden.

[7] Was man von sich gibt, darf nicht einfach so dahergesagt sein!

[8] Die meisten sind Universalbelehrte.

[9] Wer sich einmal voll und ganz auf sich eingelassen hat, wird nichts mehr zu verlieren haben.

[10] Die Verlegenheit des Philosophen hat ihren Grund darin, dass dieser sich grundsätzlich in Frage zu stellen hat.

Wider die Informationsflut

Wer will, kann sich heute in sozialen Netzwerken systematisch mit allen möglichen Informationshäppchen zuschütten lassen, die ihn im Grunde nichts angehen, vielleicht aber seinen hohnlachenden Spott provozieren, oder zumindest sein ehrliches Interesse wecken. Dabei kommt das Problem auf, dass Unvoreingenommene aus den unterschiedlichsten ideologischen Gründen einseitig angegangen werden können und – begünstigt durch Algorithmen – fortan auch nur Einseitiges aus ihrem ideologischen Lager zur Kenntnis nehmen und damit unterfüttert werden. So wird im schlimmsten Fall bei einigen nach Jahren der einseitigen Konditionierung und Fokussierung durch ihre filter bubble wohl mit dem vollständigen Verlust der eigenständigen Urteilskraft zu rechnen sein, wodurch diese eigenschaftslosen Kopien durch ihre alternativlosen Lebensumstände endlich in einer Weise geformt werden könnten, dass sie sich so verhalten, wie es ihr Lager von ihnen immer schon gewünscht und erwartet hat: Agitatorisch-konsumistisch.

Garantierte Expektorationen (XXVI)

[1] Wer schreibt, was er denkt, wird oft geringgeschätzt, weil die meisten Menschen nur das lesen wollen, was alle zu denken haben.

[2] Es gibt wohl nichts Praktischeres, als eine gute Verschwörungstheorie!

[3] Wertmaßstäbe können auch Entsetzen auslösen.

[4] Philosophen haben leider immer nur unsterbliche Ideen anzubieten, die kaum jemand auch nur eines Blickes würdigen will, weil jeder weiß, dass sie sich nur unter Wert verkaufen lassen, in ökonomischer Hinsicht also wertlos sind.

[5] Wer denkt denn schon noch einfach so vor sich hin?

[6] Denkerleben lässt sich nicht in Sätzen festmachen.

[7] Viele glauben, nur das Alte zu sehen und werden darum dummerweise neugierig.

[8] Es wird fast immer nur auf das Wissen Wert gelegt, das man wissen soll.
Was man wirklich weiß, findet kaum jemals Anerkennung.

[9] Da sie nicht wissen, wie sie ihr Leben zubringen sollen, konsumieren sie, stopfen sich also solange mit Wohlstandsmüll voll, bis sie endlich keine Ahnung mehr von sich haben.

[10] Solange du Gehaltvolles von dir gibst, werden die meisten dich für einen unverbesserlichen Langweiler halten und ihr Vergnügen lieber anderswo suchen.

Ein neuer Facebook-Freund aus Gambia?

[M. S.:] Hello there!
How are you doing nice to meet you here as well so many thanks for being my friend hope if you don’t mind we can be friends
I am from the Gambia western part of West Africa
[E.:] Ok, nice
[M. S.:] You are much welcome all the time always much love and respect to you
Where are you from?
[E.:] Germany
[M. S.:] That’s great fine love to hear that
For I am from the Gambia western part of West Africa but I am living in a place called Brikama
Have you ever been to Africa before
[E.:] No, not yet
[M. S.:] Oh I see that’s good
So how is the weather over there?
[E.:] Very hot. Like in Africa
[M. S.:] That’s great
Here it’s sunny warm weather
And what do you do as for living?
[E.:] What was the reason for you to question me for facebook-friendship?
[M. S.:] I am here for looking a good and honest best friend so that we can get to know more about each other maybe more later in the future as well indeed
[E.:] You should know that I’m not interested in partnership or sending money. Is that ok for you?
[M. S.:] I am not here for seeking money or something else
hematite come first in life before anything else
[E.:] Ok, that’s good.
[M. S.:] But God, being rich in mercy, because of the great love with which he loved us, even when we were dead in our trespasses, made us alive together with Christ—by grace you have been saved—
So what did you do as for your living?
[E.:] I lived.
[M. S.:] What did you do as for your work?
[E.:] I worked.
[M. S.:] What kind of work?
[E.:] Different things, at the moment I’m author.
[M. S.:] That sounds great
How old are you?
[E.:] 25
[M. S.:] Good nice
You are just a brother to me if you don’t mind
For me I am living with my old grandma and my siblings
I have lost both of my parents some years ago
[E.:] Oh, that’s hard!
[M. S.:] For real since I lost my parents things are not been easy for us here no one care for us here
I was in school before but since I lost my parents I am dropout from school
[E.:] What are you doing at the moment?
[M. S.:] well bro i only use to go to the bush and fetch find there a firewood to come and sell it and the little money i got i use to buy food to eat with my siblings ,but for now here we are having a corrupted government and bad leaders who dont care for we the poors now they dont use to allow us to cut the trees thats why they allow us to go to the bush
[E.:] How can you afford a mobile phone then?
[M. S.:] I use to be cleaning the Internet cafe and then the owner of the Internet use to give me a free time to browse when I clean the Internet
This is how I get on the Internet
[E.:] I understood. Well, how do you imagine your near future?
[M. S.:] Here we don’t have any free education school that’s why and my grandma she is very old for now she can’t even work well she is not doing anything nothing at all
As you know that education is the key to success in life
And in the Gambia here if you don’t finish complete your schooling education you won’t have any work or job for your own future that is the big problem
[E.:] Well, you can write in English and use Facebook. Maybe it is possible for you to earn money with the internet
[M. S.:] I don’t understand much think on the Internet
[E.:] Or maybe you can earn a bit money as a preacher?
[M. S.:] Well brother I only left two years for now to finish complete my education schooling
So I will be very grateful happy when you open your warm heart for me and help me to go back to school please
[E.:] Aha, you want money! I knew it
[M. S.:] It’s not my wish to tell you this due to my condition that’s why
I really feel ashamed even to tell you this due to my condition that’s why I am asking you to help me
And remember that goodness always come from the clean heart
It’s only the lord who can reward you back for your kindness
[E.:] Well, I don’t know you and I’m not sure whether you are a betrayer, therefore I will not send you any money.
[M. S.:] I am honest to you Brother
I will send you all the proof of it
Helping me to go back to school it will not cost you much if you don’t mind I can tell you how much you
If you don’t mind I can give you the school email address
[E.:] Please remember what you wrote me one hour ago: „I am not here for seeking money or something else“
[M. S.:] I understand that
Everything is from the clean heart
Goodness always come from the heart
[E.:] You’re trying to manipulate me
[M. S.:] It’s only the lord who can reward you back for your kindness
[E.:] I don’t believe in a lord.
[M. S.:] Please don’t let me down
I really feel ashamed when I saw my follow friends going to school
[E.:] Well, ask your teachers and friends for their mercy. If you really want to go to school, there will be a way for you. Believe in your lord.
[M. S.:] No I most pay for the school fees
If you don’t mind I can tell you how much it cost
[E.:] I’m sorry, guy. I mistrust you
[M. S.:] Why?
[E.:] Because you lied to me. Your lord will punish you for this.
[M. S.:] What did I tell you what is lie?
[E.:] That you don’t want money
[M. S.:] Due to my condition that’s why I am asking you to help me to go back to school
[E.:] Please try to rip off others.

Garantierte Expektorationen (XXV)

[1] Ein ordentlicher Lebenslauf wird auch nur vorzeitig fertigmachen.

[2] Die meisten Menschen wollen allem Anschein nach nur für den Arbeitsmarkt aufbereitet werden. Wenn sie als Lohnsklaven biologisch verwertbar gemacht wurden, sind sie bereits zufriedengestellt.

[3] Es gibt eine Ausschließlichkeit im Denken, die einen in Gesellschaft verstummen macht.

[4] Ein Denkender lässt sich nicht beschäftigen, sondern weiß sich zu beschäftigen, vor allem dann, wenn er nichts zu tun hat.

[5] Die Existenzgrundlage ist im Kern gelebte Aggression.

[6] Es sind Spaltprodukte des Denkens, die in letzter Konsequenz zum GAU führen können.

[7] Viele verstehen sich auf das Worte-Drechseln, auf den Wort-Wechsel verstehen sich nur wenige.

[8] Ich kann nur sagen, worum es mir geht, wenn meine Sprache es mir erlaubt.

[9] Die Programmvorschau im Fernsehen bietet meistens bereits einen abgeschmackten Vorgeschmack.

[10] Kunst lebt von Inbrunst.

Garantierte Expektorationen (XXIV)

[1] Wer um einen Philosophen besorgt ist, verkennt die Sorge des Philosophen um sich selbst.

[2] Irgendetwas sagt ihm, dass dieses Irgendetwas ihm etwas zu sagen hat.

[3] Das gegenwärtig Gegebene bietet nicht die beste Motivation für ein aufrichtiges, selbstbestimmtes Leben.

[4] Wer nur selbstironisch auftreten kann, kann auch abtreten. Er wird nicht vermisst werden.

[5] Wenn ich ein Problem mit mir habe, ist es immer noch mein Problem.

[6] Der Philosoph ist im Grunde ein Störenfried aus innerer Überzeugung.

[7] Nachdem ein Denker die Technik beherrscht, sucht er Wege, die Technik auf seine Weise zu hintergehen.

[8] Ich war immer darum bemüht, die starken Seiten eines Menschen herauszuarbeiten. Leider sind die meisten weich gebettet.

[9] Wer sich durch einen Philosophen ablenken lässt, hat sich zweifelsfrei um das Beste verdient gemacht.

[10] Alle Menschen sind gleich, ergo Omnizid für alle!

Garantierte Expektorationen (XXIII)

[1] Das untergründige Denken durchforstet das gründende Denken erbarmungslos.

[2] Organisation, die den Organismus nachzuahmen sucht.

[3] Philosophen kommen in unserer Zeit kaum mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit, weil sie zunächst all die Hiobsbotschaften aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft einigermaßen verkraften müssen.

[4] Philosophen kultivieren ihren Wahn in aller Ruhe.

[5] Man muss sein Leid immer wieder herausarbeiten, um es für gewisse Zeit von sich lösen und somit auf Abstand halten zu können.

[6] Der Intellektuelle hat gute Gründe, so zu denken, wie er denkt.

[7] Der durchdringende Blick des Denkers ist immer gnadenlos, ungescheut, erbarmungslos.

[8] Unter-gang impliziert noch, dass es schon irgendwie weitergehen wird.

[9] Man muss sich solange verausgaben, bis man ein Nichts mehr ist.

[10] Bevor mein Körper mich endgültig ausschalten wird, ist noch das eine oder andere zu tun. (siehe Tweet vom 24.5.2015)