Perhorreszierende Perzeptionen (VIII)

[1] Jeder Mensch ist genauso anders, wie alle anderen.

[2] Was der Ideologe sehen will, soll immer auch auf seine Weise gesehen werden. Was der Ideologe gerade nicht sehen kann (weil er nie genau hinsehen will), wird daher von seinen Anhängern zunächst mit schlechtem Gewissen zur Kenntnis genommen, um danach geleugnet, relativiert oder zur infamen Lüge deklariert zu werden.

[3] Das Alte wird zur fortwährenden Neuigkeit, wenn es immer wieder neu erkannt wird. Da das Alte immer wieder neu gesehen werden kann, gibt es tatsächlich nur Neues unter der ständig neu aufscheinenden Sonne.

[4] Auf frischer Wahrheitstat wurde noch kein Philosoph ertappt. Vielleicht werden Philosophen darum so gerne umstandslos von der Nachwelt verurteilt?

[5] Das lange schon vernachlässigte Unterfangen der Philosophie wird nicht mehr wiederzubeleben sein, wenn auch die Menschen der Zukunft nur noch bedenkenlos zufriedengestellt sein wollen.

[6] Es gab noch kein Menschenleben, das am Ende gut ausging.

[7] Die meisten können nur das sehen, was alle sehen, weil sie unbedingt sehen wollen, was alle sehen.

[8] Für unseren unwiderruflich gewordenen Fortschritt haben wir das eine oder andere endgültig fortschaffen müssen. Dabei ist das vorläufige Ergebnis des unaufhaltsam voranschreitenden Fortschritts abscheulich genug anzusehen.

[9] Wer keine Tiefe hat, ist oft noch schlau genug, seine leicht fassliche Oberfläche so auszuleuchten, dass andere sie in ihrer makellosen Reinheit zelebrieren dürfen.

[10] Habt immer auch ein Einsehen, wenn ihr zusehen müsst, wie andere die Welt sehen.

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