Perhorreszierende Perzeptionen (VII)

von Egregantius

[1] Was sich für andere längst erübrigt hat, bleibt für den Philosophen oft ein Übriges, zu Betrachtendes.

[2] Weil die gut Informierten alles längst durchschaut haben wollen, stellt kaum mehr jemand wagemutige Mutmaßungen an.

[3] Wer Wesentliches aus sich hervorscheinen lassen will, hat vor sich zurückzutreten, um das Prächtige in aller Ruhe auf sich einwirken lassen zu können.

[4] Was der Philosoph neu denkt, wollen sich alle immer längst gedacht haben. Dass sie sich nichts dazu denken konnten, ist dann allerdings sehr zu bedauern.

[5] Wenn Realsatire Dauerzustand wird, kann sich gute (irritierend-amüsante) Satire eigentlich nur noch auf die wahrheitsgetreue Abbildung der Wirklichkeit verlegen und wird dadurch geradezu journalistisch.

[6] Was nicht gehen kann, wird rasend gemacht.

[7] Wer sich von seinem Eigenwissen durchdringen lässt, wird bereits auf seine Weise gebildet sein, wenn er dem inhärenten Wissen nur die nötige Zeit gibt, sich in ihm und durch ihn zu konkretisieren.

[8] Jeder moderne Autor muss schlicht und ergreifend die Tatsache anerkennen, dass man auf ihn gut und gerne verzichten könnte. Denn man wird in der Weltgeschichte keinen einzigen Autor vermissen, der nie gekannt wurde, der vielleicht sogar aus guten Gründen nie gekannt sein wollte.

[9] Wer einer Dummheit, die er leidenschaftlich anprangert, nie auf den Grund gegangen ist, ist sogar noch dümmer als die Dummen, die vielleicht nur aus Naivität unwissend oder aber dummdreist sind und sich dann eben nur aus Kalkül in ihrer ganzen Dummheit sehen lassen wollen, um in ihrer natürlichen Stumpfsinnigkeit so geliebt werden zu können, wie sie eben gerne sind.

[10] Was die einen so vermeinen, haben andere zu vermögen.

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