Perhorreszierende Perzeptionen (VI)

von Egregantius

[1] Was schwer zu sagen ist, wird lediglich benannt.

[2] Die Menschen sind sich nicht gleich, aber manche bleiben sich gleich und viele gleichen sich manchen an.

[3] Was ein anderer einsehen will, haben wir in einer Weise abzusehen, die es uns erlaubt, genauer hinzusehen.

[4] Traurig, aber wahr: Das Unverwechselbare dient Vielen nur zur nötigen Abwechslung.

[5] Im Grunde ist es nur sehr verständlich, dass vor allem die Unverständigen uns immer etwas zu sagen haben.

[6] Unerträgliche Kulturträger wollen immer gleich vom Zeitgeist getragen sein.

[7] Einige moderne Autoren erregen nur deshalb mediale Aufmerksamkeit, weil sie – vorsätzlich skandalisiert – in den Fokus der Öffentlichkeit gezerrt werden und die verbliebenen (vermuteten) Kulturinteressierten alsdann in der heißumkämpften Pro/Contra-Phase fieberhaft nach einer guten Ausrede zu suchen haben, um die so Gehypten unter keinen Umständen lesen zu müssen.

[8] Es gibt Autoren, die auf Gedeih und Verderb gelesen werden wollen. Die Autoren, die tatsächlich (noch) gelesen werden, liegen fast immer irgendwo begraben.

[9] Oft überblicken wir, was wir sehen wollen und bekommen einmal mehr unser altbekanntes alter ego zu Gesicht.

[10] Wer eigenständig denkt, kann sich vieles schenken und das Geschenkte später anderen mit auf den Weg geben, die es vielleicht nötig haben oder noch gut brauchen können.

Advertisements