Kommentar zum Thema „Versklavung durch Maschinen“

Kommentar zu der Aussage: „Wenn der Mensch von der Maschine versklavt wird, dann liegt das weniger an der Maschine als am Menschen.“

Mit der Erfindung von handlichen Gebrauchsgegenständen, die durch den homo faber zu Maschinen weiterentwickelt wurden, wurde der Mensch eines Tages mit der Frage konfrontiert, in welcher Weise er fortan Maschinen für sich arbeiten lassen wollte. Zunächst sollten Maschinen Hilfsmittel zur Arbeitserleichterung für den Menschen sein. Es lag nie im Interesse des Menschen, sich von Maschinen zwingen zu lassen, also zum bloßen Beiwerk von Maschinen zu werden.
Nun ist es so, dass wir uns in der Gegenwart in einer gefährlichen Phase des Umbruchs befinden. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung der Arbeitswelt wird die Frage dringlicher, wie wir uns in Zukunft von Maschinen überhaupt beeinflussen lassen wollen. Es steht uns hierbei frei, zu wählen, ob wir als Privatpersonen bewusst auf Maschinen verzichten wollen. Zum Beispiel können wir uns weigern, Computer zu nutzen und unsere Interessen und Verhaltensweisen durch Algorithmen und soziale Netzwerke lenken und leiten zu lassen. Doch selbst dann, wenn wir für uns persönlich die Entscheidung treffen, uns von Computern weitestgehend fernzuhalten, können wir dennoch sicher sein, dass z. B. unsere Telefongesellschaft oder unser Arzt persönliche Daten sammelt und gegebenenfalls zur Auswertung an andere Institutionen weiterleitet. Möglicherweise ist es für uns von Vorteil, früher oder später unsere eigene DNA entschlüsseln zu lassen, um erblich bedingten Krankheiten rechtzeitig vorbeugen zu können, vielleicht ist es sogar notwendig, Telefon- und Verbindungsdaten vorsorglich zu speichern, um Terrorismus vorbeugen zu können, aber wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass mit der automatischen, massenhaften Speicherung von Daten enorme Gefahren und Risiken verbunden sind. Vor allem an dieser Schnittstelle wird sich in Zukunft die Gefahr einer zunehmenden Versklavung durch Maschinen eröffnen, abgesehen davon, dass wir als Verbraucher heute bereits durch maßgeschneiderte, „algorhythmisierte“ Werbung im Internet stark beeinflusst werden, um so konsumfreudig wie möglich bei der Stangenware gehalten zu werden.
Hier tut sich dann auch plötzlich eine tieferliegende platonische Höhle auf, in der wir es uns in Zukunft nicht achtlos bequem machen dürfen. Eigenständiges, selbstbestimmtes Auftreten und persönliche Verantwortung sind wahrscheinlich gefragter denn je, damit unsere Freiheit gewährleistet werden kann und wir nicht bloß zu fügsamen Rädchen unserer eigenen Maschinen werden. Wir dürfen nicht aus einer fortschrittsgläubigen Naivität heraus unsere Anlage zur Menschlichkeit an das emotionslose, berechnende Kalkül der Maschinen verlieren. Vielmehr müssen wir uns die Maschinen in einer Weise zunutze machen, die es uns erlaubt, jedwede Technokratie bei Bedarf spielerisch übergehen und im wahrsten Sinne des Wortes „manipulieren“ (mit Menschenhand wieder in den Griff bekommen) zu können. Der homo faber muss hierfür den homo ludens in sich wiederentdecken, um eben nicht zwangsläufig als „Smombie“ willenlos in eine tieferliegende platonische Höhle hinüberschreiten zu müssen.

Anmerkung: Dieser Aufsatz wurde im Rahmen einer Eignungsprüfung von mir verfasst. Da ich ihn einigermaßen gelungen und anregend finde, habe ich mich dazu entschlossen, ihn stilistisch leicht überarbeitet für meinen Blog noch einmal neu aufzubereiten.

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