Über unsere Freiheit

Auszug aus einer Email an Stefan Dehn:

Seit einiger Zeit treibt mich folgender Tweet gedanklich um:

Unsere Freiheit ist die von Freigängern.

Nach der Ernüchterung, die sich durch diesen aussichtslos scheinenden Satz einstellt, folgt die Erkenntnis, dass es jedem Freigänger zumindest frei steht, sich seine Zelle (mitsamt der Körperzellen) und den geregelten Freigang auf seine Weise zu Nutze zu machen. Während es sich ein unbeugsamer Philosoph seiner leibeigenen Gefangenschaft zu Trotz nicht nehmen lassen wird, in stoischer Manier den offenherzigen Austausch mit Denkfreunden während seines Freigangs in der rundum abgeschirmten, überwachten Säulenhalle zu wagen, trifft ein engstirnig-fanatischer Ideologe für sein eigenes Leben die Entscheidung, lieber mit einer kleinen, abgeschirmten (Terror-)Zelle vorlieb zu nehmen, in der er in seiner verstörend-ungestörten Aussichtslosigkeit noch Sklave seiner gewaltfantastischen Hirngespinste sein darf. Daneben dürfen in der mehrheitsfähigen Parallelgesellschaft nach wie vor diejenigen munter vor sich hinleben und Vorgegebenes konsumieren, die als Freigänger (= wandelndes Sicherheitsrisiko) gerade noch geduldet sind, aber zu ihrer eigenen Sicherheit allesamt schon einmal vorsorglich unter panoptische Aufsicht gestellt wurden.

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