Egregantius

Monat: April, 2015

Garantierte Expektorationen (XXI)

[1] Wer sich selbst erkennt, hat fortan sein eigentliches Lebensproblem.

[2] Der moderne Sisyphos muss sich immer wieder neu erfinden.

[3] Erwachsene, eigenständige Menschen wissen natürlich, dass sie sterben werden.
Sie wissen es, aber klargeworden ist es ihnen noch nicht!

[4] Man ist irgendwann an dem Punkt angelangt, wo man zu viel von der Welt versteht.

[5] Im Grunde sind wir alle Kunstprodukte der Gesellschaft. Wir wirken durch Kunst und werden durch Kunst erst wir selbst. Ein jeder sucht sich aber auch instinktmäßig eine Kunstform, die an ihn heranreichen kann.

[6] Wenn die Wurzeln einer Pflanze offenliegen, wird sie langsam aber sicher sterben.

[7] Man hat mich nicht gefragt. Ebendarum habe ich etwas ausgesagt.

[8] Wie schnell ein neu Entflammter wohl wieder niederbrennen wird?

[9] Irgendwann sieht man den blutgetränkten roten Faden, der einen durchzieht.

[10] Wenn ich den Teufel an die Wand male, sieht er zumindest täuschend echt aus.

Der Weg ins Ziellose der Existenz

Es wäre existenznah, sich auf dem ziellosen Weg der Natur als Einzelner irgendwie durchzuschlagen. Einer regulären Arbeit nachzugehen und dabei der Illusion nachzuhängen, in dieser vollkommen aufgehen zu können, hat mit einer natürlichen Lebensweise jedoch nichts zu tun, weil jede reguläre Arbeit nur Stückwerk sein kann, menschengeschaffenes, durchgetaktetes Stückwerk.

Skizze über das Genie

Für das Genie hat die Logik keinen spezifischen Wert, weil es in der glücklichen Lage ist, von Grund auf logisch durchstimmt zu sein. Alle seine Handlungen sind im Kontext seines Lebens von einer zwingenden logischen Notwendigkeit und ergeben in einem tieferen Zusammenhang seine Lebensleistung. Retrospektiv ist es in beängstigender Weise nachvollziehbar bis zum Schluss, prospektiv erschrickt es gelegentlich vor seinem Schicksal, weil es dieses kraft seiner Ratio zu erkennen glaubt. Die Konklusion seines durchstimmten Lebens kann nie überraschen, weil das Genie es zu Lebzeiten verstand, alle seine naturgegebenen Prämissen auf seine Weise umzuschmelzen und gar nicht anders werden konnte, als so, wie es war.

Warum die moderne Universität eine Massenabfertigungsanstalt ist

Meine These: Die moderne Universität ist heute eine Massenabfertigungsanstalt, die dem neoliberalen Regime dient und für konforme Systemlinge wie geschaffen ist.

Das Problem der modernen Universität in einigen Grundrissen:

1) Evaluationsmaßnahmen führen in meinen Augen dazu, dass Dozenten eher „weiche“ Themen behandeln, damit alle Studenten damit klarkommen, sich nicht überfordert fühlen und z. B. Rückmeldung darüber geben, dass ihnen ein Seminar gut gefallen hat, dass sie gut mitgekommen sind, etc. Dozenten wollen (oder sollen) also Lieblinge der Studenten sein: Das ist allerdings nicht die Aufgabe von Dozenten, sich an Bedürfnissen von Studenten zu orientieren!

2) Das primäre Problem sehe ich eigentlich in der Verwaltung der Universität: Universitäten sind heute wie Unternehmen strukturiert, der Cash muss stimmen, das ist alles: Die moderne Universität ist um den Cash herum aufgebaut. Und weil die Universität um den Cash herum aufgebaut ist, ist man darum bemüht, so viele Studenten wie möglich unterzubringen: Die Folge ist klar und offensichtlich ein vollkommener Überhang an Studenten in (fast) allen Fachrichtungen. Denn die Universitäten wollen das Geld der Studenten sehen. Und darum machen sie auch Werbung für ihre „Waren“, in dem Fall also für die vorhandenen Studiengänge.

3) Es geht also nicht (mehr) um herausragende intellektuelle Einzelleistungen von Studenten, die in ihrem Sinne gefördert werden sollen, sondern es geht darum, die Masse an Studenten mit Bachelor- und Masterstudiengängen „fertig zu machen“ für den Arbeitsmarkt.

4) To be continued.

Garantierte Expektorationen (XX)

[1] Was mich antreibt, werde ich nicht aus mir herauswinden können.

[2] Was ich von mir loslösen muss, um mir gerecht zu bleiben, ist aus dem inneren Kampf überhaupt erst hervorgegangen.

[3] Wer wäre denn so beschränkt, allen Ernstes den Frieden mit sich selbst schließen zu wollen?

[4] Künstler werden oft nur aus einem ideal vollzogenen Lebenswandel ihre Lebenskraft zu schöpfen wissen.

[5] Alles funktioniert nur dann glatt, reibungslos und einwandfrei, wenn sich niemand mehr etwas dabei denken will.

[6] Die Erfindung des Rads muss immer wieder neu verwunden werden.

[7] Zum Vergleich muss das Nichts immer miteinbezogen sein.

[8] Spreng-Sätze werden die Aufklärung mit sofortiger Wirkung herbeiführen.

[9] Menschenmögliches, das getan wird, ist oft genug einfach nur eine Unmöglichkeit.

[10] Was ich weiß: Menschen werden im Neoliberalismus verheizt.
Was ich außerdem weiß: Menschen lassen sich verheizen.

Garantierte Expektorationen (XIX)

[1] Nur auf dem Papier bin ich ganz bei mir.

[2] Tiefe Erschütterung wird nur bruchstückhaft vernehmbar sein.

[3] Es gibt gut gefüllte Truhen, die schwer an sich zu tragen haben müssen.

[4] Immer dann, wenn ich etwas ganz Bestimmtes lernen sollte, habe ich es nie besonders gut gelernt.

[5] Ein Mensch, der sich selbst nicht mehr ausgesetzt ist, verliert an sich alles, was ihn ausmachen musste.

[6] Um zur rechten Zeit einlenken zu können, muss man sich abzulenken wissen.

[7] Solange ein Mensch sich selbst noch in Frage stellen kann, wird er nicht gefragt sein.

[8] Was wurde nicht schon alles aufgeworfen, um anschließend doch nur bloßgestellt außen vor gelassen zu werden?

[9] Niemand ist wirklich besorgt, wenn sich alle nur Sorgen machen müssen.

[10] Wer sich selbst beim Leben zuschaut, wird sehr schnell den Ekel an sich erfahren.

Garantierte Expektorationen (XVIII)

[1] Von Nichts rührt im Großen und Ganzen alles her.

[2] Ein tiefgründiger Mensch wird sein Schweigen immer wieder neu lernen.

[3] Die Gefahr des eigenständigen Denkens besteht darin, dass dessen Folgen und Wirkungen kaum abzuschätzen sind.

[4] Wir sehen uns offenen Auges beim gegenseitigen Sterben zu.

[5] Über Bücher, die mir in denkerischer Hinsicht unzugänglich waren oder sind, habe ich immerhin einen Zugang zu mir und meinem eigenen Denken finden können.

[6] Aus einem guten Satz lässt sich das Wesentliche immer herauslesen. Auch dann, wenn es ungenannt bleibt.

[7] Mit Müh‘ und Not treffen wir die Vorkehrungen für unseren bevorstehenden Tod.

[8] Ich weiß selbst am allerwenigsten, was man von mir halten soll.

[9] Der Sterbevorgang wird wohl das einschneidendste Erlebnis meines Lebens sein.

[10] Um meine inadäquate Ausdrucksweise bin ich nach wie vor sehr bekümmert.

Garantierte Expektorationen (XVII)

[1] Man will sich bis an das Ende seiner Tage durchziehen.

[2] Ein gemachter Mann vermachte an sich alles, was er aus sich herausholen konnte.

[3] Ob der Weise mit seiner Weisheit überhaupt fertigwerden kann?

[4] Den meisten Denkenden bleibt in unserer Zeit nichts anderes übrig, als lebendig in sich begraben zu liegen.

[5] An Philosophen, die nie ins Stottern geraten, wird etwas faul sein.

[6] Nur nichtswürdigen Subjekten wird ein Zugang zur Philosophie für immer verschlossen bleiben.

[7] Mit der Frage nach Wahrheit kann man auch heute noch Menschen kreuzigen.

[8] Wahrscheinlich gibt es in unserer Zeit kein einziges ungebrochenes Individuum mehr, dafür umso mehr Dividuen.

[9] Es gibt Menschen, die keine Rolle spielen, weil sie ohnehin nichts zu sagen haben und es gibt Menschen, die eine Rolle spielen, weil sie davon überzeugt sind, das Sagen zu haben.

[10] Man kann die Kurve nicht kriegen, ohne sie kratzen zu müssen.