YouNow-Gespräch mit dem 17jährigen Daniel Ganterer

von Egregantius

Gespräch vom 9.3.2015

[Egregantius:] Was macht das Leben lebenswert?
Oh, endlich jemand, der mal Fragen stellt, über die man nachdenken muss! Ich denke mal, Familie, Freunde… und das Wichtigste eigentlich: Ich glaub‘ die Liebe, die Liebe macht das Leben erst lebenswert! […] Ich denke mal, an erster Stelle ist es mal die Familie, wenn aber jetzt… es gibt Viele, bei denen ist die Familie nicht so, dass die Familie sich für einen interessiert, und dass dann die Freunde das Leben lebenswert machen, bzw. die Liebe. Ich glaube, geliebt zu werden und Liebe zu geben, ist das Lebenswerteste und das Schönste, was man haben kann und was man auch geben kann! So sehe ich das. […] Ich denke mal, es hat für jeden Einzelnen einen Grund, wieso das Leben lebenswert ist!

[E.:] Führst du eher ein lustbetontes, oder ein moralisches Leben?
Ich glaube eher, dass ich ein lustbetontes Leben führe, weil ich alles auf mich zukommen lasse, ich plane nichts und habe auch nicht jeden Tag denselben Ablauf, sondern ich lasse [es] einfach [so] kommen, wie es kommt und gerade, wie es mir gefällt: Ich lasse mich einfach überraschen, was das Leben so bringt!

[E.:] Was hat dich dazu bewogen, hier zu streamen?
Ja, es war eigentlich… ich hab’s im Fernsehen gesehen, da war so eine Nachrichten-Reportage: Ein Junge hat YouNow vorgestellt […] und der Fernsehsender hat eben gezeigt, was YouNow ist […], da habe ich mir gedacht: Okay, ist voll cool! Und letzte Woche Montag war ich bei einem Kumpel, weil wir für einen Test lernen mussten und da hat er halt auch gestreamt und dann habe ich mir gedacht: Okay, ist eigentlich ganz cool! Wieso machst du es nicht selber? Und dann am gleichen Abend runtergeladen und angefangen, zu streamen!

[E.:] Glaubst du, dass das, was du hier tust, einen Mehrwert für dich hat?
Ich verstehe nicht ganz: Meinst du jetzt, dass ich glaube, dass ich einen Nutzen daraus ziehen werde, hier zu streamen?

[E.:] Ja.
Ich weiß nicht… Ich will jetzt nicht irgendwie darauf hinaus, dass ich fame (Anm.: berühmt) werde und dass mich ungefähr 2.000 Leute kennen! Ich möchte eigentlich genau das machen, was die Youtuber machen, aber nicht ganz so! Weil die Youtuber müssen halt echt viel Zeit und Aufwand in ihre Videos investieren: Klar, dadurch bringen sie auch ein viel besseres Format raus, was ich aber an dieser App [YouNow] jetzt gut finde: Du kannst live streamen, sie können dir alle Fragen stellen und das ist halt live und Youtube… okay, jemand kann da irgendwie was da hochgeladen, aber es ist halt nicht live! Und hier ist es halt so, du darfst dir keinen Scheiß erlauben: Das finde ich ein bisschen besser! Weil jetzt sieht man halt, wie ist der Mensch wirklich, ja… und anders! […]

[E.:] Es gibt aber auch Google Hangout.
Ja, aber Google Hangout hat sich irgendwie nicht so durchgesetzt, oder? Hast du jemals Google Hangout benutzt?! Ich hab‘ zwar Google Hangout – das macht jedes Mal ein Update! –, aber ich habe da noch nie reingeschaut bis jetzt! Noch nie!

[E.:] Hast du ein Lebensmotto?
Ich will jetzt nicht irgendwie sagen, dass ich fame werde, oder dass ich viele Zuschauer hab‘ und dass ich viele Likes bekomme auf meine Videos! [Nein,] ich will euch einfach unterhalten so gut es geht!

[E.:] Kennst du ein kluges Zitat?
Ich kannte mal voll viele kluge Zitate, aber ich bin nicht so ein Philosoph! Ich glaube, ich kenne kein kluges Zitat… Nein, ich glaube, ich muss mehr philosophische… […] Entschuldigung, aber ich kenne echt kein kluges Zitat! Aber ein Lebensmotto hab‘ ich, ja: Nein, es ist eigentlich nicht so wirklich ein Motto, so denke ich eben [einfach]: Ich lasse alles auf mich zukommen, mach‘ mein Ding wie ich’s will und lass‘ mir nicht irgendwie von anderen reinreden, weil: Wieso soll ich mich verstellen für euch? Entweder man mag mich so wie ich bin, oder ich…

[E.:] Ich kenne ein paar kluge Zitate! Willst du mal eins lesen?
Ja klar, schieß‘ los! Ich hab‘ echt Bock!

[E.:] Was denkst du über den Satz „Das Begreifende im menschlichen Geist verwirrt sich deswegen so oft, weil es sich selbst begreifen will.“?
Was ich darüber denke?! Es hat eigentlich komplett nur Wahres in sich! […] Es hat ziemlich viel Wahres, da denke ich jeder sich schon einmal die Frage gestellt hat, bzw. sich jeder selbst begreifen wollte: Warum ist man so, wie man ist? Also, wenn ich jetzt von mir ausgehe: Wieso bin ich so, wie ich bin? Wieso tue ich das, wieso ist meine Art so, wieso sehe ich so aus und da verwirrt man sich, oder bzw. da verwirrt sich das Begreifende, indem es sich versucht, selber zu begreifen! Wenn man so darüber nachdenkt… Ich glaube nicht, dass ein Mensch sich selbst begreifen kann, das glaube ich nicht, weil der Mensch ist so komplex vom Aufbau und vom Geistigen her, dass man sich – glaube ich – nicht selber begreifen kann! Weil wenn man sich selber begreifen könnte, dann wär’s ja langweilig, weil dann wüsste man ja, warum man so ist und so [wie es nun ist,] ist es ja viel interessanter, denk ich mal, oder? Also so sehe ich das.

[E.:] Ja, das ist auch meine Auffassung, denn man ist selbst der blinde Fleck, von dem man nicht mehr wegkommt.
Das ist so ein gutes Zitat! (Rezitiert einige Male den Satz.)

[E.:] Das ist ein Satz von mir.
Das ist dein Zitat und das sollte auch mal irgendwann jeder wissen, dass das dein Zitat ist, weil das wirklich sehr, sehr… richtig geil ist! (Rezitiert erneut: „Man ist selbst der blinde Fleck, von dem man nicht mehr wegkommt.“) Das ist richtig geil!

[E.:] Was hältst du von dem Satz „Das Leben ist ein Geschenk, das ein Leben lang verarbeitet werden muss.“?
Ja, ich denk mal, das Leben ist wirklich ein Geschenk, das ein Leben lang verarbeitet werden muss, weil du jeden Tag… jeden Tag kommt etwas Neues, jeden Tag passiert etwas Neues und jede deiner Handlungen ist eine Entscheidende, wie dein Leben weiterverläuft! Und damit könnte man wirklich sehr, sehr verwirrend weitergehen, nämlich: Was wäre, wenn…? Und ich glaube, diese Frage hat sich auch jeder schon einmal gestellt: Was wäre, wenn ich das und das nicht getan hätte? Was wäre, wenn ich nicht angefangen hätte, zu streamen? Ich hätte euch wunderbare Menschen nicht kennengelernt! […] Ich hätte nicht deine wundervollen Fragen beantwortet, DerEgregant! […] Aber das ist echt so, dass das Leben ein Geschenk ist, das ein Leben lang verarbeitet werden muss, weil eben jeden Tag etwas Neues hinzukommt und das muss man ja auch immer wieder verarbeiten und da das Leben ein Leben lang ist, muss man eben das Leben ein Leben lang verarbeiten! Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend! […] Ich wollte schon immer so mit jemandem darüber reden, bzw. so darüber nachdenken, so gute Fragen bekommen, weil ich glaube: So über das Leben und die philosophischen Dinge nachzudenken tun irgendwie die Wenigsten und das ist eigentlich sehr schade!

[E.:] Ist der Mensch zur Freiheit verurteilt?
Ich glaube, zur Freiheit verurteilt kann man doch gar nicht sagen, oder? Weil ich denke mal, es ist ein Geschenk, frei zu sein… […] Ich glaube nicht, dass man sagen kann, er wäre dazu verurteilt, denn ich denke mal, jeder ist froh, frei zu sein! Ich denke mal, niemand will irgendwie… Okay, ich kann es verstehen, wenn jemand heiraten will und damit gebunden ist, aber bei Freiheit gehe ich davon aus, dass man frei ist, seine freie Meinung hat, seine freien Entscheidungen und ich glaube nicht, dass man da verurteilt ist! Oder?! […]

[E.:] Ist man wirklich so frei, wie man sich fühlt?
Ich denke mal: Nein, denn irgendwo bist du ja immer in irgendetwas gebunden, oder? Ich denke mal, wenn du jetzt nicht in einer Beziehung bist – sagen wir, du bist unter 18 und du wohnst noch bei deinen Eltern: Du bist an deine Eltern gebunden. Wenn du über 18 bist, bist du nicht mehr an deine Eltern, aber an deine Freunde gebunden, weil irgendwie ist man ja immer an irgendwas gebunden und deshalb, so ganz frei… man denkt zwar, man ist total frei und ich kann machen was ich will: Das wird dann aber doch wieder eingeschränkt! Daher glaube ich nicht, dass man wirklich so frei ist, wie man sich fühlt! Ich hoffe, ich habe das Richtige jetzt so gesagt. So denke ich das, also wenn ich die Frage richtig aufgefasst hab‘?! Ich hoffe, das ist nicht falsch.

[E.:] Hast du Angst vor dem Tod?
Ich muss ehrlich sagen: Nein, hab‘ ich nicht, denn – wie soll ich das erklären? – ich denke mal, wenn es so kommt, dann kommt es so! Ich glaube nicht an – Genau, das könnte man eigentlich auch anführen, ob ich an das Schicksal glaube? Ich glaube nicht an das Schicksal: Ich glaube, dass alles… Da ja alles, was wir tun, Folgen hat, bzw. jede Handlung, die wir begehen, hat eine Auswirkung auf die Zukunft! Ob die in 10 Jahren sind, oder ob die sich auf morgen auswirkt, das ist eigentlich ganz egal, aber von daher denke ich, dass [es kein] Schicksal gibt! Deshalb habe ich auch keine Angst vor dem Tod, denn wenn es so kommt, dann sollte es auch so kommen! Ich glaube, der Tod ist nicht unausweichlich: Wenn jemand vom Tod gerettet wird, dann war das so, dann sollte das so passieren: Aber wenn nicht, dann denke ich, dass das auch nicht so sein sollte, und deshalb habe ich keine Angst vor dem Tod! Und ich glaub‘, niemand braucht Angst vor dem Tod zu haben!

[E.:] Was soll nach deinem Tod von dir in Erinnerung bleiben?
Von mir in Erinnerung sollen meine Persönlichkeit, mein Charakter und die schönen Erinnerungen zurückbleiben! Es gibt ein schönes Lied von Avicii (The Night) und er sagt nämlich am Anfang – das könnte man eigentlich auch zitieren! – also ich sag’s auf Deutsch: Also wenn ich eines Tages sterbe, will ich, dass sich die Menschen an mich erinnern und nicht an das Geld, das ich verdient habe! Und damit – glaube ich – meinte er, dass man eben nicht daran denken soll, dass er total reich war und dass er richtig Karriere gemacht hat, sondern dass man ihn so sieht als Person und Menschen! Und das will ich auch! Ich will nicht, dass man irgendwann mal sagt: Oh, der war total cool, weil er das und das gemacht hat, sondern ich will, dass man sagt: Die Zeit war schön mit ihm, die will man nicht mehr vergessen! […] Eben meine Persönlichkeit, dass ich in guten Erinnerungen zurückbleibe! Ja, so. […]

[E.:] Beutet sich der moderne Mensch selbst aus?
Das ist schwer! […] Ich bin wirklich kein guter Denker! Kannst du die Frage irgendwie vereinfachen?

[E.:] Im 19. Jahrhundert gab es Fremdausbeutung, heute dagegen Selbstoptimierung.
Ah, okay! Also du meinst, dass der moderne Mensch immer mehr von sich verlangt und sich sozusagen selber kaputtmacht? … Äh, also sich also selber auslaugend, sich total zerstörend in dem, dass er immer besser werden will, immer mehr erreichen will! Meinst du das? Ich hoffe, du meinst das! […] Ja, ich glaube es stimmt wirklich, dass sich der heutige, moderne Mensch selbst ausbeutet, weil die Menschen sich selber viel zu hohe Ziele stecken, was sie erreichen wollen, sich selber so optimieren wollen, immer besser werden und irgendwo ist diese Grenze, wo man einfach nicht mehr kann! Und diese Menschen denken, sie müssten es den anderen beweisen und überanstrengen sich dann zu sehr und überbelasten sich auch einfach zu sehr: Da muss man ja irgendwann mal zugrunde gehen! Ja, wenn man das so sieht heutzutage, ja, dann finde ich schon, dass der moderne Mensch sich selber ausbeutet!

[Frage einer anderen Chatteilnehmerin:] Glaubst du an ein Leben nach dem Tod und dass es sowas wie Schutzengel gibt?
Ja, ich glaube an ein Leben nach dem Tod! Beziehungsweise es muss ja irgendwas geben… also irgendwas: Ich kann mir halt nicht vorstellen, dass auf einmal mein Hirn, mein Denken, mein Tun einfach weg ist, sondern es muss irgendwie weitergehen und wenn es auch nur auf einer anderen Ebene ist! […] Ja, ich glaube an Schutzengel, bzw. ich glaube, dass diese Engel so ein bisschen was… Ich muss ehrlich sagen: Ich glaube nicht an Gott oder an den Teufel, oder an Engel, aber ich glaube, es gibt wirklich so etwas, ja, ich glaube einfach daran! Vielleicht will ich es auch einfach nur glauben, aber ich glaub‘ daran!

[E.:] Was läuft in unserer Gesellschaft eigentlich falsch?
(„Oh, ich glaube viel zu viel!“ schreibt jemand im Chat.) Ja, da hast du Recht, Alicia, da bin ich deiner Meinung! In unserer Gesellschaft läuft heute viel zu viel falsch: Erstens wäre da Mobbing, also einfach Vorurteile gegenüber anderen, es werden Leute fertiggemacht wegen ihrem Aussehen, wegen so banalen Sachen, dass sie keine Markenklamotten tragen, oder… […] Klar, früher war’s halt noch schlimmer, da war Rassismus gegen Dunkelfarbige – und das ist zum Glück heute nicht mehr so, aber trotzdem gibt es in unserer Gesellschaft immer noch welche, die gegen die oder jene etwas haben, wegen banalen Sachen! Und wenn man das einfach abschaffen könnte, wenn jeder Mensch mal selber darüber nachdenken könnte oder würde: „Was wäre, wenn ich in dieser Situation stecke?“, dann würden die alle anders denken! Aber es gibt eben diese Meinungen, die [Leute, die] aus der Sicht des anderen nicht denken können, die denken nur: „Ich bin’s nicht, also kann ich ihn fertig machen, wie ich will!“ Das ist eben dieses falsche Denken, was die Menschheit besitzt! Und es läuft einfach zu viel falsch in unserer heutigen Gesellschaft!

[E.:] Wie stellst du dir eine ideale Gesellschaft vor?
Oh, eine ideale Gesellschaft! Das ist ungefähr so wie, wenn ich zu dir sag‘: „Du darfst jetzt jede Woche im Lotto gewinnen!“ Es ist so unwahrscheinlich, dass es passieren wird, aber eine ideale Gesellschaft wäre für mich einfach – hört sich jetzt vielleicht doof an, aber – Frieden überall! Also wieso gibt es Kriege?! Weil irgendjemand meint, irgendeinen Scheiß anzufangen und… das ist alles so unnötig! Man könnte so vieles regeln, dadurch, dass man eben nicht diese Vorurteile hat! Wenn jeder denken könnte – also wenn jeder die Einstellung hätte von… Man kann keine ideale Einstellung nehmen, aber… Wenn es keinen Rassismus geben würde, kein Mobbing, keine Vorurteile – wenn man sich untereinander verstehen könnte ohne Gewalt –, dann wäre es so viel einfacher und es würde so viel vereinfachen, weil… Es ist ja heutzutage nur noch ein Machtkampf! Überall. Es ist einfach nur noch ein Machtkampf! Und wenn dieser Machtkampf nicht da wäre, wäre auch mal einiges, vieles leichter!

[E.:] Wozu ist das Böse gut?
Das ist jetzt ein bisschen Ironie in diesem Satz „Wozu ist das Böse gut?“, oder?! … Wenn es das Böse nicht geben würde, dann wär‘ es genauso beschissen wieder… das ist wieder so ein Thema! Das Böse ist glaub‘ ich dazu gut, dass wir – wenn wir perfekt wären, dann wäre es ja… Was wäre dann heute, wenn der Mensch… dann würden wir jetzt noch im Garten Eden sitzen und würden einfach Apfel von den Bäumen essen, nur nicht von dem einen Baum! Weißt du, so kann man es eigentlich definieren und ich denke mal, die Menschheit wird sich schon weiter entwickeln, aber zur Zeit entwickelt sie sich einfach zurück wieder! Das ist komisch…

[E.:] Plotin schreibt dazu: „Hat ja doch die Schlechtigkeit selbst manches Nützliche und bringt auch viel Schönes hervor, z.B. alle Kunst-Schönheit, und regt zum Denken an, indem sie nicht in Trägheit schlafen lässt.“
Dieses Zitat stimmt! Genau, würde es nichts Böses geben, wäre ja auch viel Kunst nicht da und wäre auch viel Geschichte nicht da! Es wäre ja dann eigentlich nur eine friedliche, fortlaufende Geschichte und… Genau, es würde keine Geschichte geben! Es würde nur ein monotones, langweiliges Dasein schildern von uns allen Menschen und so ist auch ein bisschen Abwechslung dabei, also man sollte nicht abgrundtief böse sein, aber ein bisschen böse! Also ich denke, jeder hat schon einmal gelogen –und wenn es nur eine Notlüge war, das ist ja auch schön was Böses…

[Ein Chatteilnehmer schreibt:] Nur im Unterschied zum Bösen kann es Gutes geben.
Genau, das ist auch sehr richtig! Denn: Würde es nichts Böses geben, würde es auch nichts Gutes geben, denn dann würden wir das Gute gar nicht kennen! […]

[E.:] Nehmen Menschen eine Problemverschiebung vor, wenn sie sich auf Gott berufen und davon ausgehen, dass er alles richten wird?
Ja, ich denke schon! Denn man kann… gehen wir jetzt von der Schule wieder aus: Ich schreibe eine Klassenarbeit und ich lerne nicht darauf. Wie kann ich mich dann auf Gott berufen, dass er mir das alles beibringen wird innerhalb von Sekunden?! Dann kann ich mich ja auch nicht auf ihn berufen, dass er mir das auf einmal sagt: Damit ist das Problem ja nicht gelöst! Ich muss ja selber dieses Problem bewältigen! Jetzt könnte man aber auch sagen: Wird unser Tun und Handeln von Gott gelenkt? Also alles was wir tun, geht das von Gott aus? … Was ich überhaupt nicht glaube! Denn wenn Gott alles richten könnte und so, wieso gibt es dann so viel Leid auf dieser Welt, wieso gibt es dann Armut, wieso gibt es so viele Krankheiten und was weiß ich?! Wieso gibt es das alles? Daher glaube ich nicht so an Gott…

[E.:] Was hat Gott eigentlich erschaffen, damit er Gott werden konnte?
Boah, das ist mal ne Frage! Das ist eine gute Frage und ich glaub‘, die kann man gar nicht beantworten, da gibt’s keine Antwort drauf, oder? Ich glaube gar nichts, also geht ja nicht, oder? […] Nicht mal das Universum hat er erschaffen, denn es gibt so viele Universen und so viele Sonnensysteme […] … Ich glaube nicht, dass es ein Medium allein erschaffen kann?! So sehe ich das, das geht einfach nicht… Das ist eine sehr schwere Frage! […] (Liest den Chat.) Ja, wie kann sich Gott selbst aus Nichts erschaffen haben? Eben! Da ist eben auch wieder diese Überlegung: Gibt es überhaupt Gott? Und das glaube ich eben nicht, denn wie kann sich Gott aus Nichts erschaffen?! Einfach aus Nichts?! Die Frage ist aber auch, woher kam der Urknall, wenn am Anfang nichts war und dann auf einmal aus dem Nichts ein Universum entstand?! Wie kann das sein?! Ich glaube, das wird die Menschheit auch niemals rausfinden, weil das Universum so weit gestreckt ist und ich auch denke, dass es Parallelwelten gibt! Dass wir hier sind und dass es keine Ahnung wie viel – die Zahl kann man gar nicht aussprechen! – ja, Lichtjahre entfernt genau der exakte Planet ist wie hier, unsere exakten Namen mit unseren Körpern, aber andere Persönlichkeiten! Also andere Charakter, anderes Styling, komplett anderes Denken! Und das glaube ich, dass es das schon gibt!

[E.:] Was hältst du von der These, dass Gott sich mit Urknall selbst getötet hat?
Ui, voll geil! Also diese Fragen sind echt Gold wert! Das sind Denkerfragen, das sind richtige Denkerfragen und solche Fragen liebe ich, auch wenn ich nicht alle immer so gleich checke! (Im Chat schreibt jemand: Unsinn.) Nein, das ist kein Unsinn, das ist echt kein Unsinn! Also, das kann ja gut möglich sein! Wenn Gott… aber dann… Also wenn Gott vor dem Urknall da war, wo war er dann, wenn nichts da war?! Kann ja nicht sein, also… (Gestikuliert wild mit den Fingern.) Gott war hier, da und Urknall und puff! Und auf einmal war das Universum da! […] Irgendwie ist das zwar eine gute Überlegung, aber unwahrscheinlich, weil es muss ja etwas dagewesen sein, damit Gott etwas erschaffen kann und…
(Liest aus dem Chat: „Der Urknall ist nicht Zerstörung, sondern Erschaffung.“) Yannik, das würde ich nicht so sagen, dass der Urknall nur Erschaffung ist, der Urknall ist gleichzeitig auch Zerstörung von einem leeren Nichts, das heißt von leerem Raum und der Urknall ist auch die Zerstörung von vielem… Also, wenn jetzt nochmal ein Urknall wäre, wären wir wahrscheinlich weg! Weil der Urknall ist ja eigentlich… auch wenn die Sonne jetzt zerspringt, wenn die Sonne auf einmal Puff! macht, wird ein neues Universum erstehen und dann ist es auch erschaffen! […]

[Ein anderer Chatteilnehmer schreibt:] Der Urknall ist Verdichtung von Materie.
Ja, genau! Der Urknall ist Verdichtung von Materie!

[E.:] Der Urknall ist in erster Linie ein Prozess.
Ja, ist er auch: Ein Prozess.

[E.:] Wie erklärst du dir die Existenz von Menschen?
Existenz von Menschen erkläre ich mir so: Da viel darauf hindeutet, dass wir von Affen abstammen, denke ich auch, dass wir die Evolutionsstufe von Affen… dass wir da weiter Entwickelte sind und – ihr kennt bestimmt alle den Film X-Men?! – Ich glaube auch daran, dass – ich weiß nicht, in welchen Abständen – Tiere wirklich mutieren, weil wir sind ja von Affen mutiert […] bis zu Homo sapiens oder sapiens sapiens…

[E.:] Was hältst du von dem Satz „Wäre nur irgend etwas ganz erklärt, so wäre alles erklärt.“?
Ja, ich denke mal, weil man kann nie alles gleich erklären, also man kann nie etwas exakt erklären! Es gibt auf nichts eine vollkommen komplett logische Erklärung! Weil sonst müsste man ja wiederum alles über sich selber [wissen], wieso ich das tue, wieso ich so handle! Und das weiß niemand! Also kann auch niemand exakt begründen, wieso er das tut! Und deshalb stimmt der Satz auch so. Weil mit dem Einen würde sich das Andere [auch] erklären! Also weil ich das gemacht hab‘, wurde das! Und wieso mache ich das? Weil ich so bin! Und wieso bin ich so? […]

[E.:] Mangelt es der heutigen Jugend an guten Vorbildern?
Ich glaube: Ja! Wenn du jetzt schaust: In jedem zweiten Musikvideo wird… Also gehen wir mal von den Rap-Videos aus und den ganzen anderen Liedern da: Wie kann man sich die als Vorbilder nehmen?! Klar, ich hör‘ die Musik jetzt auch, aber dass sich manche wirklich die so als Vorbilder nehmen… Vor allem: Die sind gar nicht so! Die singen das in ihren Texten, aber in Wirklichkeit sind sie nicht so! Und viele klammern sich halt an diese Texte und klammern sich an irgendwelche Vorbilder, die – keine Ahnung – Drogen nehmen, nur auf Schlägereien aus sind, was weiß ich… Und kiffen auch, und saufen… Keine Ahnung, da ist es doch kein Wunder, dass eine 12jährige irgendwo raucht und da rumsteht wie eine…

[E.:] Was sind für dich gute Vorbilder?
Ah, genau: Das ist auch wieder ein guter Einwand für mich! Es gibt auch gute Vorbilder! Also, es gibt auch Menschen, die total gut sind und die man sich als Vorbilder nehmen sollte! Aber leider ist die Jugend von heute so verblödet, dass sie sich einfach wirklich die falschen Vorbilder herausnehmen!

[Ein anderer Chatteilnehmer schreibt:] Wer ist dein Vorbild?
Wer ist mein Vorbild? (Räuspert sich.) Mein Vorbild? Es ist jetzt wirklich komisch… […] Es ist ein Klassenkamerad von mir, er ist Türke, und ja, er sieht sehr gut aus, ist gut gebaut, hat also wirklich Muskeln und was weiß ich… Und ich habe ihn mir eben als Vorbild genommen, weil: Er sieht wirklich gut aus, ich will meine Muskeln jetzt langsam auch trainieren, ich meine, zu diesem Körper hinkommen, den ich haben will! Aber er weiß, er könnte so Viele haben… Er könnte wirklich Jede haben, also er könnte sehr Viele haben, weil voll viele [Mädchen] stehen ja auf gut gebaute Männer! Aber er ist seiner Freundin wirklich treu! Er macht einfach keinen Scheiß! Und das ist heutzutage etwas, was sehr wenige Jungs machen: Sie verarschen einfach Mädchen und sowas geht einfach gar nicht und deshalb habe ich ihn mir als Vorbild genommen! Früher war das mein Vater, ja, früher war das mein Vater… Der ist auch jetzt noch mein Vorbild, aber nicht mehr so jetzt, also… Ich habe jetzt zwar fast den gleichen Beruf wie mein Vater, aber… Ja, als kleines Kind sagt man immer: Vater ist Vorbild, aber irgendwann verändert sich halt das alles… […] Aber theoretisch könnte man dich [Egregantius] wirklich [auch] als Vorbild sehen: Er stellt wirklich sehr sinnvolle, philosophische Fragen, über die man nachdenken muss und: Ja, ich bin einfach fasziniert von ihm! Ja, er bringt meinen Kopf jetzt noch zum Rauchen, also… es ist wirklich 1A, wie er… […] Ich liebe dieses Thema, über Dinge zu reden, die man nicht wirklich erklären kann, um darüber seine Meinung abzugeben! Und es ist heute echt der erste Abend… du kannst sehr gerne öfters vorbeischauen und mir solche Fragen stellen, über die man nachdenken muss! Wo man sich selber fragen muss: Wie ist das? Und darüber seine Meinung dann abzugeben… […] Würden wir alle so über das Leben nachdenken, über Zitate, über Philosophie und eben ein Denker sein… […]

[E.:] Ist der Mensch vernunftbegabt, oder nutzt er seine Vernunft allein, um tierischer als jedes Tier zu sein?
Die Frage ist sehr schwer! Sehr, sehr schwer! Ich denke mal: Viel Vernunft haben ja die meisten: Also die Menschen haben wirklich Vernunft und überlegen auch über ihr Tun und Handeln, aber dann gibt es eben auch so unvernünftige Menschen, die bringt man auch nicht mehr zur Vernunft, weil da einfach Hopfen und Malz verloren ist… Also, da kann man es einfach aufgeben, das [zu] probieren, das ist einfach vergeblich! Und ich glaube schon, dass der Mensch allein versucht, tierischer als jedes Tier zu werden… manchmal sind Tiere sogar vernünftiger. […]

[…] Vor allem Jugendliche denken eigentlich viel zu wenig über das Leben nach und es ist richtig schade, dass das erst mit dem Alter kommt, mehr darüber nachzudenken, wie was ist! …

[E.:] Was denkst du über den Satz „In einer Welt der Gedankenlosigkeit leidet kein Mensch so viel wie ein denkender Mensch.“
Das ist was Wahres, oder? Gedankenlosigkeit ist ja, dass kein Mensch denkt und dass eben nur ein Mensch nachdenkt und deshalb hätte er keinen Menschen, der genauso ist wie er, bzw. der auch nachdenkt über etwas! Ja, das ist so wie der Satz das sagt! Da leidet niemand so, weil man kennt es ja nicht anders, wenn alle gedankenlos wären und nur einer da wäre, dann würde ja niemand wissen, wie es ist, zu denken! Und da er weiß, wie es ist, zu denken, muss er am meisten leiden!

[E.:] Der Satz stammt von Stefan Dehn, einem Philosophenfreund von mir. Was denkst du hierüber: „Einst durfte man nicht wagen, frei zu denken; jetzt darf man es, aber man kann es nicht mehr.“
Der Satz ist eigentlich sehr wahr, denn früher durfte man ja wirklich nicht frei denken, es war ja keine Meinungsfreiheit! Sobald man seinen Mund aufgemacht hat, wurde man ja entweder geköpft, oder die Zunge wurde rausgeschnitten, was weiß ich? War ja so früher, man hatte einfach keine eigene Meinungsfreiheit und jetzt wo wir das einfach können – oder dürfen! –, jetzt kriegt irgendwie niemand mehr seinen Mund auf: Jetzt können wir das auf einmal nicht mehr: Und das beschreibt es irgendwie ganz gut!

[…] Ich werde heute nicht schlafen können, ich werde wirklich sehr viel noch über die Zitate und die Worte von DerEgregant nachdenken! […] Ich weiß nicht, ich glaub‘, ich hab‘ den falschen Beruf gewählt, ich will auch so Philosoph werden und über das Ganze nachdenken: Ich wollte auch schon immer ein Denker werden! … Das fand ich immer ganz interessant, nur ich hatte nie jemanden, mit dem ich darüber reden konnte, weil alle nur gesagt haben irgendwie immer: Was ist mit dir los, wieso denkst du über so einen Blödsinn nach?! – und irgendwann habe ich dann aufgehört, habe nicht mehr darüber nachgedacht und nur noch so selber abends für mich nachgedacht: Wieso ist das so? Und wie kann man sich das erklären?

[E.:] Was hältst du von dem Satz „Wer keine Rolle spielt, kann er selbst sein.“?
Das ist genau das, was ich vorhin auch gesagt hab‘, bzw. gemeint hab‘: Es gibt wenig Leute, die einfach so sind wie sie selbst und sie wollen den anderen gefallen, schlüpfen somit in eine Rolle, die sie gar nicht selber sind, wie in eine Hülle: Außen bin ich so zu den anderen, so sehen die mich, aber von Innen bin ich ganz anders, aber ich bin nur so, weil ich den anderen gefallen will und weil die anderen mich sonst nicht mögen würden! Und das ist so auch wieder dieses Traurige in der Gesellschaft…

[E.:] Von Goffman gibt es zum Thema den soziologischen Klassiker „Wir alle spielen Theater“.
Ja, das ist auch so, weil Viele einfach nicht so sind wie sie selbst, sondern einfach jemand sind, damit die den anderen, der Gesellschaft gefallen… aber dabei spielen wir alle nur Theater, in Wirklichkeit sind wir dann ganz anders!

 

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