YouNow-Gespräch mit C. C., einem 20jährigen aus Bremen

von Egregantius

Gespräch vom 6. März 2015

[Egregantius:] Was macht das Leben lebenswert?
[C. C.:] Das ist eine gute Frage! Das ist sogar eine sehr, sehr gute Frage! Was macht das Leben lebenswert? Leute, die Frage auch an euch weitergeleitet auf jeden Fall: Was macht für euch das Leben lebenswert? Also ich denke, so ein Leben wird immer vom Inhalt bestimmt, das […] kann ja mit Umständen und allem möglichen zusammenhängen… aber ich denke, einfach dieses Geschenk, das Leben leben zu können, ist auf jeden Fall schon mal der erste Punkt, dass man es ohne Einschränkungen – also ich hab‘ ja keine Einschränkungen – in dem Sinne leben kann, macht auf jeden Fall auch das Ganze lebenswert für mich persönlich; und das Glück, das man hat! Oder dieses Glück, das einem jeden Tag widerfährt, diese Kleinigkeiten im Leben sind für mich persönlich immer sehr bestimmend, finde ich und das… oh Mann, ich kann diese Frage gar nicht innerhalb von 2, 3 Sätzen ausdrücken, da bräuchte ich auch ein bisschen länger für, aber ich schneid‘ das jetzt hier mal so ein bisschen an… […] Das ist eine sehr gute Frage und ich glaub‘ auch die beste, die ich bisher bei YouNow gelesen habe!

[E.:] Ist der Mensch zur Freiheit verurteilt?
[C. C.:] […] Ich stell‘ mal eine Gegenfrage, auch wenn das eigentlich unhöflich ist, und zwar: Was bedeutet für dich Freiheit? Also in welchem Maße redest du von Freiheit?

[E.:] Das ist eben die Frage, was Freiheit ist: Kann man z. B. frei sein, wenn man mit einer Behinderung geboren wird?
[C. C.:] Ja, klar kann man frei sein, wenn man mit einer Behinderung geboren wird, weil alleine dass du mit dieser Behinderung geboren bist, heißt nämlich nicht, dass du im Laufe deines Lebens die Erfahrung machen musst, wie es ist, eingeschränkt zu sein, das heißt, du entwickelst sozusagen deine eigene Freiheit: Verstehst du, was ich meine? Und in dem Sinne, na klar kann man frei sein, wenn man eine Behinderung hat, wenn man mit ihr geboren wird! Wenn du allerdings, sagen wir einen Unfall hast, sagen wir, du bist – keine Ahnung – 14 Jahre alt, hast einen Unfall, wenn du mit deinen Eltern in Urlaub fährst und bist danach an den Rollstuhl gefesselt, dann wird dir sozusagen diese Freiheit entrissen, weil du vorher ganz andere Bedürfnisse stillen konntest: Wenn du laufen wolltest, bist du gelaufen! Ne, in dem Sinne einfach, um das mal eben metaphorisch ein bisschen vorzubringen? Aber so wie du die Frage stellst: Natürlich kann man frei sein, wenn man mit einer Behinderung geboren wird!

[E.:] Aber kein Mensch, der geboren wird, wird gefragt, ob er leben will und zur Freiheit gezwungen.
[C. C.:] Ich denke nicht, dass jemand, der geboren wird, sagen würde, dass er nicht leben möchte, zumal er gar nicht darüber entscheiden kann. Und ich kann – vielleicht fehlt mir in dem Sinne auch einfach so ein Stückweit die Empathie, sagen zu können? –: Okay, ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen, dass ich überhaupt noch leben möchte? So vielleicht ist das einfach ein Mangel meiner Kompetenzen, aber ich denke nicht, dass es solch eine Situation geben könnte!

[Frage eines anderen Chatteilnehmers:] Was macht dich depressiv?
[C. C.:] Das ist eine gute Frage! Was macht mich depressiv? Ich glaube, Einsamkeit… also bei mir ist das so, ich bin jemand: Ich bin gerne alleine, hab‘ auch gerne Zeit für mich, aber wenn ich merke, dass ich einsam bin, also nicht in Form von: Es gibt ja einmal Alleine-sein und einmal Einsam-sein. So einsam in Form von Es-ist-niemand-da und es ist niemand da, an den du dich wenden kannst, oder der sich an dich wendet, also einfach dieses Einsam-sein, das macht einen schon so ein bisschen… ja nicht depressiv, depressiv oder Depression ist ja auch eine Krankheit… Und was mich auch depressiv macht, ist, zu scheitern im Leben, das ist auf jeden Fall auch kacke, davor habe ich Angst!

[E.:] Glaubst du, dass das, was du hier tust, einen Mehrwert für dich hat?
[C. C.:] Ist auch eine gute… Du stellst wirklich gute Fragen, das gefällt mir auf jeden Fall! Und denke ich, dass das einen Mehrwert für mich hat? Also in dem Bezug darauf, dass ich eine höhere Reichweite bei Youtube oder mit meinen Youtube-Videos erreichen kann, ja: Definitiv hat es einen Mehrwert für mich! Was ich auf jeden Fall aus der Erfahrung heraus bestätigen kann und wenn wir da jetzt in den… wobei, es geht auch völlig in diesen Sozialbereich rein, also du musst dir das so vorstellen: Die Leute, die in meinen Streams sind, die wenden sich auch über mein Facebookprofil – oder wie auch immer –, über andere soziale Medienplattformen wenden die sich an mich, und schreiben mit mir, oder wollen mit mir schreiben. So. Einige, die versuchen dann vielleicht einen Rat zu bekommen, meine Zuschauerschaft die sind alle ein bisschen jünger als ich – also ich bin jetzt selber 20 Jahre alt, mein Zuschauerkreis liegt irgendwo zwischen, sagen wir 13 und – gut, es gibt natürlich auch ältere! –, aber der Schnitt liegt halt eben zwischen 13 und 17 sag‘ ich mal und wenn die Probleme haben, dann wenden die sich an mich, weil ich einfach eine ältere Person bin, weil ich für die vielleicht so eine Art Bezugsperson bin, was ich selber auch gut finde, und von daher hat’s für die genauso einen Mehrwert wie für mich, weil das Ganze so ein Geben und Nehmen ist, also ich geb‘ Ratschläge über Sachen, die ich selber vielleicht erlebt‘ hab und so weiter und so fort, also auf der sozialen Ebene hat es auf jeden Fall einen Mehrwert! Und von der Reichweite her, vom Bekanntheitsgrad her auch! […] Und ich bin vernünftig dabei, ja klar, auch wenn ich […], das muss ich auch dazu sagen, das muss ich nach den ersten Followern bei YouNow reflektiv feststellen: Ich hatte da geraucht im Stream, und das war mir im Nachhinein superunangenehm, dass ich da geraucht hatte!

[E.:] Mangelt es der Jugend an guten Vorbildern?
[C. C.:] Definitiv, ja! Ich bin fest der Überzeugung, dass es der – oder dass es meiner Jugend, es ist ja auch nach wie vor meine Jugend! – an guten Vorbildern mangelt! Was aber auch größtenteils daran liegt, ist, dass – ja, wie soll ich das sagen? … Also dadurch, dass die Welt so komplett miteinander vernetzt ist, sieht man halt immer wieder neue Gesichter: Ich glaub‘ tagtäglich bekommt man halt neue Gesichter zu Gesicht… und sich da irgendwo ein Vorbild heraus zu angeln, wenn man einfach so diese Möglichkeit hat, auszuwählen zwischen einer Millionen – keine Ahnung wie vielen Gesichtern? –, ist es einfach sehr, sehr schwierig… […]
Wenn ich streame, dann muss ich mit vollem Herz dabei sein und wenn nicht, dann nicht!

[E.:] Was läuft in unserer Gesellschaft eigentlich falsch?
[C. C.:] Ehm, okay, das kann man jetzt einfach aus der sozialen Ebene heraus sehen, oder aus der politischen Ebene… Du möchtest wahrscheinlich aus philosophischen Hintergründen auf die soziale Ebene heraus und zwar… Gut, was läuft in unserer Gesellschaft eigentlich falsch? Da muss ich gut drüber nachdenken, weil ich da auch nichts Falsches sagen möchte… Ich denke, dass speziell jetzt auf unsere Gesellschaft in Deutschland betrachtet das Problem einfach ist, dass unsere Gesellschaft erstmal viel zu oberflächlich ist! Das ist auf jeden Fall der erste Punkt: Man bekommt es immer mehr mit, dass gerade wir das Problem haben, dass Leute ihrem Neid ergeben sind, also das heißt, wenn du irgendwas machst, dann wirst du zunächst einmal verurteilt! Ehm, also zumindest die Oberflächlichkeit ist ein großes Problem in der Gesellschaft. Das zweite ist, dass viele […] Ich gehe jetzt erstmal nicht weiter auf die Frage ein, aber auf jeden Fall: Wenn du dich – ich bin immer kurz davor, Sie zu siezen – weil einfach das, das ist einfach dieser Respekt, der da in mir aufkommt, weil eben das sind so gute Fragen, wirklich… Und ich freue mich wirklich darüber, dass jemand so den Weg in meinen Stream gefunden hat, also wirklich: Großes Dankeschön dafür!

[E.:] Beutet sich der moderne Mensch selbst aus?
[C. C.:] Natürlich, klar! Ich meine, wir zerstören uns doch auch selber! Allein die Entwicklung der Atomwaffe damals, ist doch genau dasselbe… Wir beuten uns nicht nur selber aus, wir rotten uns letzten Endes auch selber aus! So behindert das auch eigentlich klingen mag, aber das ist auf jeden Fall meine Meinung dazu!

[E.:] Wie stellst du dir eine ideale Gesellschaft vor?
[C. C.:] Ich glaube, dass es keine ideale Gesellschaft gibt! Einfach – also gut – wenn wir jetzt von einer idealen Gesellschaft reden, dann ist es ja erstmal nur in dem Punkt, wie mein Gesichtspunkt oder meine Meinung dazu ist: Und ich glaube, dass eine ideale oder eine perfekte Gesellschaft gar nicht existieren kann, weil – ich mein‘ unser Politiksystem lebt ja auch aus Regierung und Koalitionen und allem Drum und Dran –, so wie das zusammengesetzt ist, ist das schon gut! Auch den Gedanken der Demokratie finde ich persönlich gut, und dass es einfach zwischen diesen Reihen immer auch Freigeister gibt, das macht das Ganze natürlich auch wieder umso interessanter und besser! Und ja, also ich denke, die ideale Gesellschaft gibt es einfach nicht und die sollte es auch nicht geben meiner Meinung nach!

[E.:] Sollte die Gesellschaft noch liberaler werden, oder sind wir jetzt schon zu tolerant?
[C. C.:] Auch wieder eine gute Frage! Sollte unsere Gesellschaft liberaler werden? Oder sind wir schon tolerant?… Also, ich denke in gewissen Dingen sind wir auf jeden Fall zu tolerant! Ehm, definitiv sind wir da zu tolerant, ja! Also liberaler würde ich sagen, sollten wir nicht werden, weil ich denke, eine zu lockere Hand gerade in der Regierungsführung sorgt auf jeden Fall dafür, dass die Dinge auch leichter mal eskalieren… Also zu tolerant sollten wir auf jeden Fall nicht werden und dementsprechend auch nicht zu liberal!

[E.:] Ist die Welt zu komplex geworden?
[C. C.:] Ehm, nee! Würde ich nicht sagen… Ich würde nicht sagen, dass die Welt zu komplex ist, also zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht: Aber sie wird von vielen auf jeden Fall so verstanden, als wäre sie zu komplex! Andererseits muss man auch sagen: Wäre sie nicht komplex, dann würden die Probleme, die wir zur Zeit haben, auch einfach nicht herrschen! Dementsprechend kann man daraus auch ableiten – oder leite ich daraus ab –, dass sie für manche Leute auf jeden Fall durchaus zu komplex ist! Aber ich denke, wenn man sich mit Hintergründen beschäftigt und hin und wieder – was auch sehr vernachlässigt wird! – von den Leuten, die ich kenne oder von der Jugend –, Nachrichten liest, dann versteht man die Welt auch einigermaßen… wobei man da auch ganz klar aufpassen muss – das ist ein wichtiges Anliegen von mir! – und zwar sind einfach so diese Medien meiner Meinung nach ausschlaggebend dafür, dass die Welt manchmal zu komplex dargestellt wird, weil einfach vieles verdreht wird und nicht immer die ganze Wahrheit gesagt wird in den Nachrichten und so weiter… (ein Chatteilnehmer schreibt: Sorry, dass ich das jetzt so sage, aber mich langweilen die Fragen!) Ja, Vanessa, ist kein Thema, ich will euch auch nicht langweilen, aber ich versuch’s auf jeden Fall bald unter einen Hut zu bekommen, nur ich find‘ die Fragen super interessant! Ich rede gerne über sowas, und in dem Sinne… Aber langweilen wollte ich euch nicht damit!

[E.:] Hast du für dich einen Grund zu leben, oder suchst du nur Gründe, es zu leben?
[C. C.:] Nein, natürlich hab‘ ich nen Grund zu leben! Ich glaube, diese Gründe hat jeder und die sind auch denk ich mal individuell unterschiedlich, also… Man braucht auch…, also meiner Meinung nach braucht man auf jeden [Fall] einen Grund zum leben. Ansonsten ist halt immer so diese ewige Frage…, ja, die Frage nach dem Nichts? So: Was erfüllt dich, wenn du keinen Grund hast, zu leben? […] Wobei… ich muss dazu auch sagen, dass – also Gründe würde ich jetzt in Form von Absichten etwas zusammenfassen. […]

[E.:] Ist der Livestream für dich ein Tor zur Welt, oder bist du mit dem Livestream in der Welt?
[C. C..] Es ist ein Tor zur Welt, weil du die Möglichkeit hast, durch den Livestream zu den Leuten zu sprechen. So wenn ich jetzt den Livestream mache, dann spreche ich zu den Leuten und kann ihnen halt dementsprechend meine Botschaft übermitteln in dem Sinne jetzt, die Antworten auf die Fragen, oder bei meinen Youtube-Videos, wenn ich irgendwas mache und die einen bestimmten Inhalt haben und ich eine bestimmte Aussagekraft damit ausdrücken möchte: Von daher ist es auf jeden Fall eher ein Tor zur Welt!

[E.:] Der Austausch mit anderen ist dir also wichtig?
[C. C.:] Der Austausch ist auf jeden Fall wichtig, klar: Ohne Austausch würde es nur noch mehr Missverständnisse geben!

[E.:] Wo siehst du dich in 10 Jahren?
[C. C.:] Das ist eine gute Frage! Das ist auch so diese typische Vorstellungsgesprächsfrage: Ich denke, dass der Weg erstmal das Ziel sein sollte, weil ich einfach in einer Phase stecke, wo ich noch nicht genau sagen kann, was in 10 Jahren sein wird, und zwar fange ich eine Ausbildung an, hab‘ letztes Jahr mein Abi hinter mich gebracht und man muss halt immer meiner Meinung nach kleine Schritte gehen, aber wenn man wirklich völlig aus dem Raster rausfällt und sich Gedanken macht: Wo will ich in 10 Jahren sein?… Ich denke, in 10 Jahren möchte ich glücklich sein! Das ist das Hauptziel, glücklich sein mit dem, was ich bis dahin gemacht hab‘ und glücklich in der Situation, was ich zu dem Zeitpunkt machen werde… Natürlich könnte ich jetzt auch sagen, ich wünsche mir, dass ich in 10 Jahren eine Familie habe, ein Kind, einen guten Job und so weiter, aber das sind so diese Sachen… das sind Wünsche! So. Das können aber keine Ziele sein! Und deswegen sage ich auch bewusst: Der Weg ist das Ziel! Also ja, um sich dann in 10 Jahren irgendwo rechtfertigen zu können!
[…] Immer noch Danke für die Fragen, weil das freut mich, dass solche Leute hier bei YouNow auch mal kommen und dass man über sowas reden kann, was ich auch persönlich sehr wichtig finde! Weil es wird heutzutage viel zu wenig über das Leben nachgedacht, oder über das Leben gesprochen!

[E.:] Was soll nach deinem Tod von dir in Erinnerung bleiben?
[C. C.:] Meine Glückseligkeit! Also, ich will irgendwann von der Welt gehen mit dem Gewissen – also wenn es jetzt natürlicher Tod sein sollte natürlich, weil auf den kann man sich vorbereiten –, auf den unverhofften Tod, also durch einen Unfall, oder wie auch immer, darauf kann man sich nämlich nicht vorbereiten! Jedenfalls wenn es ein natürlicher Tod sein sollte, dann sollte auf jeden Fall von mir in Erinnerung bleiben, dass… Ich möchte als eine Art Vorbild natürlich dienen: Wenn ich eine Familie hab, dann sollen die mich auf jeden Fall als Vorbild haben! So. Die sollen das, was ich geschafft hab‘ – und ich möchte Großes schaffen! – ich glaub‘ das ist im Sinne jedes jungen, hungrigen Mannes… dass man – ja, wie soll ich sagen? – ja, dass sie zumindest das anstreben, was ich hatte, also diesen Ehrgeiz entwickeln und sagen: Okay, weiß ich nicht… Ah, das ist eine schwierige Frage! Aber ich hab‘ auch wirklich große Angst vorm Tod, muss ich mal dazu sagen, also ich hab‘ glaub ich vor nichts so viel Angst, wie vorm Tod… Ehm, weil’s einfach auch eine Ungewissheit ist, aber ja… Jedenfalls meine Glückseligkeit und mein Ehrgeiz sollen in Erinnerung bleiben! […]
Also, sagen wir’s mal so: Ich möchte nicht, dass – wenn ich eines Tages nicht mehr sein sollte – dass über mich gesprochen wird, als wär‘ es besser, dass ich gestorben bin…

Und der Heiko sagt: „Wieso Angst vor Tod, das ist das Normalste im Leben?“

Ehm, sagen wir’s so: Ja, das ist das Normalste im Leben, man wird auch des Öfteren damit konfrontiert: Völlig normal, seh‘ ich auch so! Aber es ist halt eben die Ungewissheit: Was kommt nach dem Tod? Also dieser Weg zum Tod hin, wenn man denn wirklich – wie gesagt – auf natürlichem Weg stirbt, und sich einigermaßen darauf vorbereiten kann, wobei es auch blöd klingt: Man kann sich auf den Tod nicht vorbereiten! Aber es ist einfach diese Ungewissheit: Was kommt nach dem Tod, was passiert dann? Das ist das, was mir Angst macht, weil ich einfach auch jemand bin – was auch mit den persönlichen Eigenschaften zusammenhängt –, ich mag diese Ungewissheit einfach überhaupt nicht: Und das ist auch in anderen Lebenssituationen so! Ich mein‘, jetzt existier ich, jetzt habe ich alle Möglichkeiten, ich bin jung, mir stehen alle Türen offen, ich kann machen, was ich möchte sozusagen… Und nach dem Tod ist es eben nicht so, aber was kommt dann? Das weiß keiner von uns und auf diese Frage gibt es auch keine Antwort!

[E.:] Zumindest das Totsein selbst ist nichts Schlimmes…
[C. C.:] Kann ich nicht beurteilen und du könntest es theoretisch auch nicht beurteilen, weil du diese Erfahrung nicht gemacht hast! Das ist eine Erfahrung, die du dir vorstellst.

[E.:] Der Sterbeprozess kann beunruhigend sein.
[C. C.:] Das glaube ich durchaus, das glaube ich… doch, das kann ich mir durchaus vorstellen!

[E.:] Ist Selbsttötung unmoralisch, oder kann sie gerechtfertigt sein?
[C. C.:] Ehm, dazu hab‘ ich mal einen recht guten Artikel gelesen und zwar war das die Sterbehilfe – ich glaub‘ das war in Österreich – weil das war ein Deutscher, der in Österreich die Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollte… Oder Sterbehilfe, war das in Österreich?! Ist das da erlaubt?! Ja, ne? Oder reden wir jetzt in Form von Selbsttötung über Suizid, oder über Sterbehilfe? Wobei, Selbsttötung, nee das ist Quatsch, das ist sowieso schon Widerspruch in sich selbst… Wir reden über Suizid, richtig?

[E.:] Ja.
[C. C.:] Ich denke, da wären wir… Suizid, ja genau. Bin ich ja auch grad schon von selber ganz gut drauf gekommen… Ehm, okay Suizid: Wir haben ja vorhin über die Freiheit gesprochen, das war ja so ziemlich der Beginn von unserem Gespräch… und ich denke: Natürlich ist es jedem Menschen frei überlassen, darüber zu entscheiden, ob er leben möchte, oder ob er nicht leben möchte. Allerdings muss man halt… auch so ein bisschen in Rücksichtsnahme darüber nachdenken, ob man sich für einen Prozess der Selbsttötung entscheidet, und zwar ist es ja doch so, dass zu meinem jetzigen Zeitpunkt… […] (Such‘ dir en Hobby, Alter! schreibt jemand im Chat) Ja, danke, JanWechsel, aber ich beantworte nur Fragen! Äh, ich hab‘ auf jeden Fall ein Hobby! Du auch, wie ich sehen kann, aber du bist trotzdem falsch auf meinem Broadcast, wenn du nach Hobbys suchst… Also, Suizid: Ehm. Ah, die Frage ist sehr komplex, ich möchte da auch gar nicht so eine große Antwort jetzt geben können! Da schreiben wir am besten nochmal drüber in einer Mail! Aber, ich denke auf jeden Fall: Klar, Selbsttötung kann gerechtfertigt sein, auf jeden Fall! Wenn wir schon vorhin über Freiheit redeten, ich habe gesagt, dass die Freiheit eben existiert und dass man da auch reingeboren wird. Dann hat man da auch auf jeden Fall die Freiheit, zu sagen, okay, ich begehe einen Selbstmord oder halt eben den Suizid! So. […] Wobei, es kommt auch immer ganz auf die Verhältnisse an, in was für Verhältnissen die Person lebt, die sich das Leben nimmt…

[E.:] Ja, das sind ernste Themen. Nicht jeder will darüber nachdenken.
[C. C.:] Ist doch so, sehe ich auch genauso!

[Ein anderer Chatteilnehmer schreibt:] Jeder sollte selbst entscheiden, ob er leben will, oder nicht. Wieso entscheiden Länder über ein Leben, das ihnen nicht gehört?
[C. C.:] Auch eine sehr gute Frage! Sehr, sehr gute Frage, Heiko! Danke, dass du diese Frage stellst! Ich denke, das hängt alles auch ein Stückweit mit der Ignoranz zusammen, weil ich meine, wenn man sich einmal Gedanken über den Begriff oder über die Begrifflichkeit und den Inhalt „Krieg“ macht, also: „Was ist Krieg eigentlich?“ Krieg ist eine politische Waffe, ganz einfach! Und wenn wir darüber reden, oder in der Form reden, wie du es tust, „Warum entscheiden Länder darüber?“, über Leben und Tod sag‘ ich mal, dann ist das Ignoranz dem Volk gegenüber, die die Regierung hat! […]
Also Sterbehilfe gibt es in Deutschland ja nicht, was ich eigentlich für schwachsinnig halte, weil auch das eine Sache ist, die durchaus – ja, ich will nicht sagen sinnvoll ist? –, aber schon erleichternd sein kann für einige Personen! […]
Ich find’s übrigens echt gut: Ich sehe grad, wie meine Zuschauerzahl runtergeht auf 6 Leute, aber ich muss in dem Sinne auch mal sagen, dass mir das zu diesem Zeitpunkt grade echt egal ist, weil ich hier grad echt gut unterhalten bin und es Spaß macht, auf diese Konversation einzugehen! […] Das war mit Abstand echt einer der besten Streams, die ich hatte! […]

[Frage eines anderen Chatteilnehmers:] Taugt dir dein Leben?
[C. C.:] Mein Leben taugt mir auf jeden Fall, ja! Und ich bin auch sehr glücklich zur Zeit und bin sehr zufrieden mit dem, was ich mache, weil das, was ich mache, auf jeden Fall Früchte … trägt, wie ich immer wieder merken kann und es doch auch irgendwie die kleinen Dinge sind, die mich freuen!

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