Wider den Kanon in der Philosophie

von Egregantius

Das stärkste Argument gegen die an Universitäten übliche Ausrichtung an kanonisch gewordenen Werken der Philosophie scheint mir in der maßgebend-teleologischen Immanenz der kanonischen Sammlung zu liegen: Denn im Denken sollte es doch zunächst einmal darum gehen, etwas Eigenständiges hervorzubringen, was zuvor möglicherweise vollkommen ungedacht war. Darum geht es auch oft nicht gut aus, wenn ein neu aufstrebender Denker an einer Universität vorzeitig dazu angehalten wird, nach eingehendem Studium und Lektüre mit ständigen Rückverweisen, Bezugnahmen und Fußnoten zu Fußnoten zu Platon et. al. in Hausarbeiten sein ihm innewohnendes loderndes Feuer langsam aber sicher abzutreten und nicht mehr weiter aus sich heraus fortglimmen zu lassen, weil die Großen Denker und deren kongeniale Übersetzer und Interpreten ja doch mehr Ahnung von der Materie haben müssen, sodass unser vormals aussichtsreicher, eigenständiger Denker am Ende möglicherweise sogar so weit von sich weg entrückt wurde, dass er den Anfangspunkt seines Denkens mit aus seiner Art geschlagenen, von ihm losgelösten Kontexten vollständig zugeschüttet sieht und überhaupt nichts Eigenes mehr aus sich heraus zu ergreifen weiß, ohne vorher sicherheitshalber seinen Aristoteles oder Kant zu Rate zu ziehen, denn man könnte als Nachwuchs-Philosoph ja irrigerweise etwas falsches von sich geben…

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