Egregantius

Monat: November, 2014

Ausgewählte Aphorismen aus Zersplitterte Gewissheiten [2009]

Nach Jahren habe ich wieder mal einen Blick in meinen ersten Aphorismenband riskiert und dabei festgestellt, dass vieles darin gar nicht mal so dumm gedacht ist, auch wenn ich aus heutiger Perspektive aufs Ganze gesehen natürlich viel filigraner und weniger polemisch zu Werke gehen würde, als im Jahr 2009, als ich in einem kleinen Schaffensrausch innerhalb weniger Tage diesen ersten Aphorismenband hervorbrachte, der übrigens – was die Seitenzahl (meine Aphorismenbände haben immer um die 70 Buchseiten) und die unspektakuläre Buchgestaltung angeht – bis heute das Muster für alle nachfolgenden Aphorismenbände abgegeben hat. Hier nun also eine kleine Auswahl an Aphorismen aus meinem ersten Aphorismenband Zersplitterte Gewissheiten, der leider schon seit gut 2 Jahren nicht mehr käuflich erhältlich ist, weil mein Verlag damals den Verlagsvertrag wegen Unverkäuflichkeit der Bücher nach einer festgelegten Zeit im Autorenvertrag aufkündigen musste. Ich konnte mir damals noch kostengünstig die Restbestände sichern und bin gerne bereit, interessierten Lesern meinen Erstling über den Postweg zukommen zu lassen, solange mein Vorrat noch reicht.

Ausgewählte Aphorismen aus Zersplitterte Gewissheiten

Ausgewählte Aphorismen aus Entgrenzte Grauzonen [2013]

Da das Interesse an meinen gedruckten Aphorismenbänden nach wie vor eher marginal ist, habe ich mir vorgenommen, in Zukunft einige PDFs mit Ausgewählten Aphorismen aus meinen vorangegangenen Buchveröffentlichungen im Engelsdorfer Verlag über meinen Blog bereitzustellen. Den Anfang möchte ich hierbei mit meinem 3. Aphorismenband Entgrenzte Grauzonen machen, der – zumindest was die Verkaufszahlen im zweistelligen Bereich angeht – bislang noch die meisten Leser erreichen konnte:

Ausgewählte Aphorismen aus Entgrenzte Grauzonen

Über Selbstironie

Wir lebten einmal in einer schamhafteren Zeit, in der ein Mensch, der von sich selbst peinlich berührt wurde, zunächst in einer selbstreflektierten Haltung den Versuch unternahm, einen gesunden Abstand zu sich einzunehmen, der ihm dazu verhelfen sollte, sich selbst besser in den Blick bekommen zu können. Nun geht die Tendenz heute immer mehr dahin, dass jemand, der peinlich von sich selbst berührt wird, sich oft sogleich in einer nicht ernstzunehmenden Weise selbst ironisieren muss und damit den Versuch unternimmt, sich selbst zu übergehen, um einem Problem an und mit sich im Augenblick auf die sanfte Tour ausweichen zu können. Nicht wenige sich selbst Überspielende gefallen sich in ihrer Selbstironie tragischerweise zu sehr, ohne dabei erkennen zu können (oder zu wollen), dass ihre Selbstironie eigentlich nur eine unstatthafte Ausflucht darstellt. Sie können oder wollen sich nicht in der Selbstkonfrontation mit sich auseinandersetzen und betreiben stattdessen in einem uneigentlichen Verhältnis zu sich selbst einen ernstlosen Spaß, der keine tiefere Bedeutung hat und lediglich eine leicht durchschaubare Verkehrung oder Übertreibung ihrer realen Verhaltensweisen darstellt. Da wundert es nicht, dass übermäßige Selbstironiker irgendwann an einem Punkt angelangen, an dem sie sich dann doch sehr über sich selbst wundern müssen (wenn sie nicht schon zu weit heruntergekommen sind und nur noch blödeln und witzeln können), weil sie sich selbst nicht mehr verstehen können. Woran liegt‘s? Nun, in erster Linie wohl daran, dass sie aufgrund ihrer immerwährenden spaßhaften, unernsten Selbstironie nie ein Selbst aus sich heraus entwickeln konnten, weil sie zu feige waren, mit sich hart ins Gericht zu gehen, wenn es angebracht oder zumindest wünschenswert gewesen wäre.

Über die Meinungsfreiheit

Die Meinungsfreiheit hat eigentlich keinen großen Wert, weil zu viele Menschen ja doch nur kopflos meinen und behaupten wollen, um nicht nachdenken zu müssen und[1] dann auch noch einen Stolz auf ihre so persönlichen Meinungen über das Weltgeschehen entwickeln, die sie sich in einem unbedachten Moment bedenkenlos zusammengeschustert und/oder anderen auch nur ohne Sinn und Verstand nachgeplappert haben. Dabei hat schon Nietzsche erkennen müssen, dass öffentliche Meinungen private Faulheiten sind[2]. Meine[3] Meinung: Wenn die Freiheit der öffentlichen Meinungsäußerung nur in Verbindung mit vorangegangenen Denkprozessen gewährt werden würde, könnte ich mich viel besser mit ihr arrangieren, weil dann wohl urplötzlich eine große Stille aus dem Nichts eintreten würde, die ein denkender Mensch sich in unserer lauten, skandalträchtigen Zeit leider nur herbeisehnen kann.


[1] was wohl das schlimmste daran ist

[2] siehe Menschliches, Allzumenschliches I, Achtes Hauptstück. Ein Blick auf den Staat, 482.

[3] zugegebenermaßen äußerst polemische und keinesfalls ernstzunehmende

Garantierte Expektorationen (X)

[1] Das Wissen um meine Unfertigkeit erfüllt mich ganz.

[2] Wer mich überhaupt nur verstehen will, wird etwas Wesentliches bereits verstanden haben, ohne mich wirklich verstehen zu müssen.

[3] Alles geht seinen gewohnten Gang, so lange, bis er noch natürlich scheint, obwohl er längst nicht mehr natürlich ist. (siehe Tweet von 2.3.2014)

[4] Was man in einem anderen Menschen zu sehen glaubt, verklärt sich oftmals ganz von selbst.

[5] Aus mir löst sich immer Nichts in Etwas auf. Was hierbei zustande kommt, wird sich zu einem gelegeneren Zeitpunkt wieder auflösen lassen.

[6] Was festgestellt wurde, wird selten zur Aufbereitung bewahrt, sondern lieber gleich eingebracht, also pulverisiert.

[7] Opportunismus ist Kapitulation vor einer Möglichkeit der Satisfaktion durch Eigentümlichkeit.

[8] Wenn jemand mit der eigenen Selbstzufriedenheit hausieren geht, dann rückt er gut und gerne mit seinem „Content“ heraus.

[9] Man will es dem Geistesaristokraten doch nicht etwa zum Vorwurf machen, dass sich dieser nur mit wenigen sorgsam Auserlesenen überhaupt umgeben kann?

[10] Was sich so alles aus einem Text herauslesen lässt, gibt dem präformierten Leser auch noch den Rest.

Garantierte Expektorationen (IX)

[1] Das Unvordenkliche ist nicht auszudenken.

[2] Selbst wenn mich niemand fragt, bin ich niemals unterfragt.

[3] Was mich eigentlich interessieren sollte, will ich gar nicht erst einsehen.

[4] Der Tod ist mir sicher, auch wenn ich meine Unsicherheiten nicht ablegen kann. Denn er zeigt immer klare Kante.

[5] Dass ich nicht glauben kann, was in meinen Augen nicht wissbar ist, muss mich doch letzten Endes ungemein erleichtern!

[6] Man muss sich die unverrückbaren Feststellungen der Wissenschaft erst einmal etwas genauer ansehen, um sie dann als Steine des Anstoßes ins Rollen bringen zu können.

[7] Der „Sinn des Lebens“ macht vor allem dann keinen Sinn, wenn ein Mensch von sich behauptet, ihn zu kennen.

[8] Ein Philosoph stellt sich gar nicht die Frage, ob er in den Augen anderer ein „Philosoph“ ist. Er ist einfach aus sich heraus Philosoph, weil er gar nicht anders sein könnte.

[9] Selbstverloren ist der Schwätzer.

[10] Wenn du den „Ernst des Lebens“ zum ersten Mal ernst nimmst, wird es um dich geschehen sein. Wer selbst zum Ereignis seines Lebens wird, hat hingegen die Chance, aus sich selbst zu erwachsen, was eine andere, natürlichere Weise des Erwachsen-werdens darstellt. (Blogkommentar)