Über Selbstausbeutung im Neoliberalismus (Grundgedanken zu einigen Thesen Byung-Chul Hans)

von Egregantius

In unserer gegenwärtigen Gesellschaftsform sind wir zur Selbstausbeutung ohne feudalen Zwingherrn verdammt. Die Idee der „Selbstverwirklichung“ wurde zur Forderung, zum Imperativ erhoben und in raffinierter Weise mit dem Glück und dem Versprechen verknüpft, dass man ebenjenes finden wird, wenn man sich auf Dauer nur gut genug in eine funktional orientierte, glattpolierte Gesellschaft einzuschmiegen weiß. Uns wird vermittelt, dass es die Freiheit gibt, aber wir sollen uns zur Freiheit zwingen, indem wir z. B. schon als Jugendliche selbstverständlich den bestmöglichen Schulabschluss anvisieren, danach auch noch mit festem Berufsziel vor Augen etwas Ordentliches studieren und uns in vielerlei Hinsicht fortlaufend optimieren (Erwerb von sozialen Kompetenzen, Fortbildungen, Umschulungen, etc.), um am Ende nicht als funktionslose, geächtete „Versager“ der Gesellschaft dastehen zu müssen. Im Zeitalter des Neoliberalismus kann kaum mehr das Gefühl der Gemeinschaft aufkommen, weil wir zum rückhaltlosen Egoismus gezwungen sind und für unser Glück zu sorgen haben, indem wir das tun, was die Gesellschaft von uns verlangt, bzw. wozu sie uns jahrelang zu unserem Wohle konditioniert hat. Wer sich dagegen auflehnt, kann dies gerne tun, aber er wird auf taube Ohren stoßen, weil alle anderen in ständiger Selbstausbeutung viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sein müssen, um sich fortlaufend verdingbar zu machen und Vorsorge für ihre Renten treffen zu können.

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