Über Billigbücher

von Egregantius

Profitorientierte (oft auch neu aufsprießende) Verlage versuchen uns durch ihr verlegerisches Tun immer wieder einzureden, dass die sogenannten gemeinfreien – und damit leider vollkommen wehrlos gewordenen! – Klassiker mittlerweile so unzeitgemäß und unnahbar geworden sind, dass man uns heutzutage nur noch mit Zitaten und kürzeren Exzerpten abspeisen kann, weil niemand mehr die Mühen auf sich nehmen will und kann, ganze Werkausgaben unserer großen Schriftsteller zu lesen! Stattdessen werden von unfähigen Kompilatoren – oder von jenen, die sich mithilfe eines akademischen Titels für solchen Frevel hergeben wollen – abertausende kleine Nietzsche-, Goethe- und Schopenhauerbüchlein für den Grabbeltisch produziert, die uns in billigen, aber immerhin knallbunten Einbänden vermitteln wollen, dass so ein Schopenhauer schnell auch mal unterwegs auf einer einstündigen Zugfahrt durchgelesen werden kann und uns zudem mit diesen zusammengestrichenen Zitaten so ziemlich das Wichtigste aus dem umfangreichen Werk dieses großen Mannes geboten wird! Moderne Autoren (oder solche, die es werden wollen) erkennen übrigens oft genug diesen Missstand, der vor allem auch durch den schnelllebigen Buchmarkt hervorgerufen wird: Doch statt den Blick der Masse für solche Billigbücher zu schärfen und ein besseres Beispiel abzugeben, produzieren sie lieber selbst ebenso belang- und einfallslose Bücher (in die sie oft genug auch nur als „Herausgeber“ involviert sind), die weniger durch ihren Gedankeninhalt, als durch ihre witzigen Einbände bestechen, sich aber immerhin ein Quartal lang gut verkaufen lassen, bevor die nächsten Billigbücher angeschwemmt werden und aus dem Laden geschafft werden müssen.

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