Wohin führt das Denken?

Ich weiß nicht, wohin es mich führen wird. Ja, ich weiß im Vorhinein noch nicht einmal, ob mein Gedankengang unwandelbar ist. Aber ich bin unterwegs im Denken. Einige kommen mir entgegen, um dann wieder zu verschwinden. Auch andere, eher fraglose Gesichter, die zu Menschen gehören, die einfach stehengeblieben sind, säumen meinen Weg. Ich verspüre kein Gefühl des Triumphs, an ihnen vorbeizuziehen, weil ich nicht weiß, warum sie innehalten oder vorüberziehen: Vielleicht denken sie ja bereits darüber nach, umzukehren, oder sie sind einfach müde geworden und pausieren eine Weile. Doch was mich bei den Stehengebliebenen schon einige Male befremdet hat, ist ihr ausdrucksloser Blick, der mich zu der Frage veranlasst hat, ob diese Menschen wohl auf Godot warten. Was auch immer diese augenscheinliche Standhaftigkeit in Erwartung einer Ankunft Godots bedeuten mag, ich will nicht verschweigen, dass es auch dem entgegengesetzte, entschlossene und trittfeste Wandersmänner gibt, die mich einholen, oder sogar zeitweilig meinen Schritt halten können. Doch ich schweife ab. Worin ergehe ich mich eigentlich? Geht es mir nun um den Weg, oder die Menschen, die ihn kreuzen? Das ist schwer zu sagen, denn manchmal unterhalte ich mich auch mit den Wanderern, die zeitweilig mit mir Schritt halten können, auf welchen guten Wegen sie gerne gehen wollen. Ja, und dann kann es auch vorkommen, dass ich mich von ihnen überzeugen lasse, einen Teil ihres Weges mitzugehen, aber ich entscheide niemals leichtfertig, sondern hole auch von anderen erfahrenen Wanderern Erkundigungen über diese Wege ein, lasse mir Wegkarten geben und mache mir selbst ein möglichst weitsichtiges Bild von jenen angepriesenen Wegen. Doch wie auch immer: Ich will nicht leugnen, dass auch ich manchmal erschöpft bin, vor allem dann, wenn der Weg steil und hindernisreich war. Dann verweile ich und lasse den Augenblick zeitigen, was mein Blick erfasst und an Impressionen einfangen konnte.

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