Urheberrechte und metaphysische Urgründe

von Egregantius

Urheberrechte? Ein tückisches Wort! Wenn ein Urheber etwas aus dem Ursprung hebt, muß alles immer schon dagewesen sein.

© Aba Assa, (*1974), Essayistin

Ein bedenkenswertes Wort, das im Übrigen auch von Martin Heidegger stammen könnte. Tatsächlich empfinden wir es im tiefsten Grunde unseres Seins als lächerlich, wenn jemand auf seinem „Urheberrecht“ beharrt. „Ja, das hätte auch mir einfallen können!“, so melden sich die meisten, die man auf ein treffendes und doch leicht verständliches Zitat aufmerksam macht, zu Wort. Aber ist es denn wirklich so, dass alle vermeintlichen Erhebungen und Erfindungen, die des Nachdenkens wert sind,  im Grunde unseres Seins wurzeln und anwesen? Dass wir also nur unsere Anlagen entwickeln müssen, um irgendwann Ersprießliches zutage zu fördern? Können wir denn a priori mit den Mitteln unseres Verstandes und unserer reinen Vernunft Bahnbrechendes erdenken, das uns die Welt mit einem Schlage erkennen lässt? Immanuel Kant würde hier einhaken: „Nein, das können wir natürlich nicht, werfen Sie doch einmal einen Blick in das Antinomienkapitel meiner Kritik der reinen Vernunft!“ Und wenn sich nun seine Axiome, auf denen die Kritik fußt, logisch zerdenken und zergliedern ließen, wie ja auch schon viele den Versuch unternommen haben? Doch ist es überhaupt zulässig, mit den Mitteln der Vernunft die Vernunft zu untersuchen, wie es ein Kant getan hat? Was wäre denn, wenn man letztendlich vieles einfach beiseite wischen könnte, was sich der alte Kant so streng axiomatisch erdacht und gegengedacht hat? Wenn der Mensch plötzlich wieder frei wäre, die Dinge in der Welt in ihrer Reinheit und Offenheit zu erkennen und zu bestimmen? Angenommen, er könnte in die Unverborgenheit der Urgründe schauen, was hätte er denn eigentlich davon? Wenn er den Sinn vom Sein erkannt hätte, würde er dann überhaupt noch leben wollen? Könnte ein Schopenhauerianer sich dann die Hände reiben? Angenommen, der Mensch würde das Konstrukt von Welt vollständig kennen (sofern sich denn überhaupt von einem Konstrukt sprechen lässt), in das er wie ein mehr oder weniger bedeutungsloser Koordinatenpunkt eingespannt ist, wäre es nicht eine zu große Belastung für ihn? Könnte er diese existenzielle Erfahrung überhaupt aushalten? Sollten wir uns denn nicht vielmehr bemühen in philosophischer Hinsicht etwas zu leisten, was uns hilft, mit unsrer eigenen Endlichkeit fertigzuwerden? Doch wissen die Menschen denn nicht schon längst, dass „sie im Tode mit ihrer gänzlichen Auslöschung zurückgeben, was sie als Seiende gewannen“, um meinen philosophischen Mentor Wilfried Kähler zu zitieren? Wenn man sich in der Welt so umsieht, so hat man doch einen berechtigten Grund, daran zweifeln zu wollen.

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