Der Sturz in die Uneigentlichkeit

von Egregantius

In diesem Blogeintrag möchte ich mit dem heideggerianischen Begriff der (Un-)Eigentlichkeit auf ein Phänomen unserer Zeit eingehen. Immer häufiger mache ich die Beobachtung, dass die Synchronizität der Stimmung eines Bloggers – oder generell eines Schreibers im Netz – verlorengeht und stattdessen einer Beliebigkeit weicht, die man treffend mit Contentschleuderei bezeichnen kann. Das Paradebeispiel eines Contentschleuderers ist in meinen Augen der twitternde Boris Becker, der mit Recht auch schon oft dafür gerügt wurde, denn er vermengt scheinbar willkürlich Privates und Öffentliches, was letztendlich dazu führt, dass jeglicher konstituierender Sinnzusammenhang seiner Tweets verloren geht. Der Mensch als in sich geschlossenes, individuelles Wesen verliert jene Individualität, wenn er nicht mehr einig mit sich selbst ist. Natürlich sollte man offen und nicht ganz dicht sein; für die Dinge, die einen interessieren allerdings, die einem selbst gemäß sind. Wer sich aber ständig nur von allen möglichen Dingen berieseln lässt, reichert sich nur mit uneigentlichem, unnützem Wissen an, ohne sich selbst auch nur im Geringsten zu bereichern, geschweige denn andere mit eigenen Gedanken bereichern zu können. Ich verzichte daher weitestgehend darauf, diesen Blog mit Zitaten, Videos, etc. zu füllen, damit mir selbst der Sturz in die Uneigentlichkeit erspart bleibt.

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